Ein Unterhaltsanspruch des geschiedenen Ehegatten kann auch wegen langer Ehedauer, Alters oder Krankheit bestehen. Da nach der Unterhaltsrechtsreform jedoch die Eigenverantwortung eines jeden Ehepartners in den Vordergrund gerückt wurde, ist eine so begründete Unterhaltsverpflichtung nur noch in Ausnahmefällen möglich.

Unterhalt wegen langer Dauer der Ehe

Hat die Ehe lange gedauert, der Partner bereits ein höheres Alter erreicht und gibt es aufgrund langer Zeit einer Nichterwerbstätigkeit keine reale Beschäftigungschance auf dem Arbeitsmarkt, so kann ein Unterhaltsanspruch kurz vor Erreichen des Rentenalters gegeben sein. Das Nichtvorhandensein einer realen Beschäftigungschance muss der den Unterhalt beanspruchende Ehegatte konkrete darlegen, insbesondere muss er erhebliche konkrete Bemühungen nachweisen, insbesondere in Form der versandten Bewerbungsschreiben und Absagen. Auch Möglichkeiten einer Umschulung, Ausbildung oder Fortbildung müssen ausscheiden, damit ein Unterhaltsanspruch wegen langer Ehedauer gegeben ist.

Unterhalt wegen Alters

Ein Unterhaltsanspruch wegen Alters kann gegeben sein, wenn ein Ehepartner im Zeitpunkt der Scheidung die Altersgrenze von 67 Jahren überschritten hat. Vor dieser Altersgrenze ist ein Unterhaltsanspruch nur gegeben, wenn eine Erwerbstätigkeit, auch eine Teilzeittätigkeit, nicht zumutbar ist. Für die Zumutbarkeit kommt es auf die Ausbildung und die Situation am Arbeitsmarkt an. Auch die Regelungen zur Erwerbstätigkeit in der Ehe spielen eine Rolle. Die Dauer der Ehe ist nicht erheblich.

Ein Unterhaltsanspruch kann auch entstehen, wenn nach der Scheidung einer Ehepartner in Altersteilzeit oder Vorruhestand geht und deshalb seinen eigenen Unterhalt nicht mehr sicherstellen kann. Ein Unterhaltsanspruch entsteht allerdings nur, wenn während der Ehe ein Vorruhestand oder ein Altersteilzeitangebot bereits geplant war oder wenn die Teilzeit zur Vermeidung einer Kündigung angenommen wurde.

Der an sich unterhaltsberechtigte Ehepartner ist allerdings verpflichtet seinen Vermögensstamm zu verwerten. Insbesondere wenn erhebliches Vermögen vorhanden ist, besteht diese Verpflichtung, Dieses Vermögen muss nun auch nicht mehr für die Alterssicherung aufgespart werden, denn es ist mit dem Alter der Sicherungsfall eingetreten. Unerheblich ist, woher das Vermögen stammt. Es ist nicht notwendig, dass es in der Zeit der Ehe angespart wurde. Die Lebenserwartung des vermögenden Ehegatten spielt eine entscheidende Rolle. Das Vermögen muss so in monatliche Raten gestückelt werden, dass es erst am statistisch zugrunde gelegten Lebensende aufgebraucht ist.

Unterhalt wegen Krankheit

Ein Unterhaltsanspruch wegen Krankheit kann nur dann begründet werden, wenn aus der Erkrankung eine dauerhafte Erwerbsunfähigkeit resultiert, sie also nicht therapierbar ist.
Auch ein Alkohol- oder Drogenleiden sind eine Krankheit i. S. d. Unterhaltsrechts. Die Krankheit muss allerdings latent während der Ehe vorhanden gewesen sein. Dann ist ein Unterhaltsanspruch auch gegeben, wenn die Krankheit erst nach der Ehe, allerdings innerhalb eines überschaubaren Rahmens, ausgebrochen ist und zu einer Erwerbsunfähigkeit geführt hat. Dieser Rahmen dürfte nach etwa zwei Jahren abgelaufen sein. Das allgemeine Lebensrisiko kann dann nicht auf den Ex-Ehegatten abgewälzt werden.
Der Unterhaltsberechtigte ist verpflichtet, jede Therapiemöglichkeit zu nutzen, um die Krankheit zu überwinden und in das Erwerbsleben zurückkehren zu können.