Bundesarbeitsgericht: Abmahnung vor Bagatellkündigung

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat in einer Revisionsentscheidung die Bagatellkündigung einer Kassiererin eines Supermarktes wegen der Unterschlagung zweiere Leergutbons aufgehoben und damit die Entscheidung des Landesarbeitsgerichts und des Arbeitsgerichts korrigiert.  Der Entscheidung lag folgender Fall zugrunde: Die Kassiererin war nach mehr als 30 Jahren Betriebszugehörigkeit bei einer Supermarktkette fristlos gekündigt worden. Der Leiter der Filiale, in der sie arbeitete, hatte ihr zwei gefundene Leergutbons ausgehändigt.  Sie solle sie aufbewahren für den Fall, dass sich der Besitzer noch melden würde. 10 Tage später löste die Frau die Bons im Wert von 82 und 48 Cent beim Einkaufen ein.  Sie selbst sagte, dies sei unwissentlich erfolgt. Daraufhin kündigte ihr Arbeitgeber fristlos. Sie habe schwerwiegend gegen ihre arbeitsvertraglichen Pflichten verstoßen. Die Arbeitnehmerin klagte vor dem Arbeitsgericht. Doch dieses und auch das Landesarbeitsgericht in zweiter Instanz wiesen die Klage ab. Das Bundesarbeitsgericht stellte jedoch klar, dass der Vertragsverstoß nur als erhebliche Pflichtwidrigkeit zu bewerten sei.  Es sei eine Abwägung erforderlich. Diese habe ergeben, das eine Abmahung ausreichend gewesen wäre. Eine fristlose Kündigung sei unverhältnismäßig. Für die  Arbeitnehmerin habe gesprochen, dass sie schon drei Jahrzehnte ohne rechtlich relevante Störung bei dem Unternehmen beschäftigt war. Sie habe ein hohes Maß an Vertrauen erworben. Zu beachten sei auch die vergleichsweise nur sehr geringe Schädigung des Unternehmens. Weiterlesen