Wer ab dem 1. Januar 2023 Bürgergeld Leistungen bezieht, ist nicht glücklich. Denn bei weit üb er 90 Prozent aller Bürgergeld-Bezieher steht fest, dass er oder sie den Leistungsbezug nach dem SGB II so schnell wie möglich beenden möchte. Deutschland ist kein Land der Sozialschmarotzer, wie einige politische Meinungen immer wieder zu suggerieren versuche. Nur ein äußerst geringer Prozentsatz der Bürgergeld-Bezieher hat keine Interesse daran zu arbeiten.

Für fast alle Menschen, die Bürgergeld beziehen, führt der Weg hinaus aus der Hilfebedürftigkeit oft über ein Arbeitsverhältnis, in dem nicht genug verdient wird, um den Lebensunterhalt komplett durch diese Arbeit sicherzustellen, etwa bei einem 520-Euro-Job. In die Fällen wird weiterhin ergänzend Bürgergeld gezahlt. Umgangssprachlich wird von Bürgergeld-Aufstockern gesprochen.

Hinzuverdienstgrenzen beim Bürgergeld

Die Bürgergeld-Leistung fällt also nicht sofort weg, wenn ein Verdienst vorhanden ist. Verdienst muss nicht unbedingt ein Arbeitsverhältnis sein. Auch eine selbständige Tätigkeit kann Basis eines Zuverdienstes sein.

Es gibt also Hinzuverdienstgrenzen beim Bürgergeld. Die Frage bei einem Arbeitsverhältnis oder sonstigen Einkommen lautet also: wie viel darf ich beim Bürgegeld hinzuverdienen?

Hier die Regeln zum Zuverdienst bei Bürgergeld:

Bei einem Nebeneinkommen sind die ersten 100 Euro anrechnungsfrei, werden also nicht auf das Bürgergeld angerechnet. Ab einem Betrag

von 101 € bis 520 € brutto sind monatlich 20% anrechnungsfrei,

von 521 € bis 1.000 € brutto sind monatlich 30% anrechnungsfrei (das ist neu ab 2023) und

von 1.001 € bis 1.200 € brutto monatlich 10% anrechnungsfrei  – bei Bedürftigen mit mindestens einem Kind. Liegt die Grenze bei 1.500 €

Darüber hinaus gehende Beträge werden voll angerechnet.

Eine Sonderregel für dien Zuverdienst beim Bürgergeld gibt es für Schüler und Auszubildende und Studenten. Bis zur Minijobgrenze von 520 Euro wird nichts vom Verdienst auf das Bürgergeld angerechnet.

Bürgergeld und Arbeitseinkommen

Bezieht man Bürgergeld so kann man, wie aufgezeigt, in bestimmt Grenzen anrechnungsfrei hinzuverdienen. Man bleibt dabei im SGB II Bezug.

Die aktuellen Hinzuverdienstgrenzen, also die Summen, die anrechnungsfrei hinsichtlich der Bürgergeld-Leistung bleiben, sollen einen Anreiz darstellen, eine Arbeitstätigkeit aufzunehmen.

Ist man Arbeitnehmer oder selbständig erwerbstätig, so kann man bis zu einer gewissen Einkommensgrenze zusätzlich Bürgergeld beantragen. Man wird zum Bürgergeld-Aufstocker.

Beispiel für Aufstockung auf das Bürgergeld

Ein alleinstehender Bürgergeld Bezieher erhält 2023 den Bürgergeld Regelsatz von 502 Euro. Findet er nun einen Minijob mit 350 Euro monatlich, so kann er hiervon folgende Summen behalten: die ersten 100 Euro und schließlich 20 Prozent von den restlichen 250 Euro, also 50 Euro. Insgesamt darf er 150 Euro behalten. Die restlichen 200 Euro vermindern seinen Bürgergeld Anspruch von 502 Euro auf 302 Euro. Unterm Strich hat der der arbeitende Bürgergeld-Bezieher monatlich 652 Euro zur Verfügung. Hinzu kommen die Kosten für die Unterkunft, also die Kaltmiete, Betriebskostenvorauszahlungen und Heizkosten.

Anrechnung ist unabhängig von Anzahl der Arbeitsverhältnisse

Hat man mehrere Arbeitsverhältnisse, ist man also beispielsweise in zwei Minijobs berufstätig, so wir das Gehalt aus diesen Arbeitsverhältnissen zusammengerechnet. Die Zuverdienstgrenzen für das Bürgergeld werden also auf das Gesamtgehalt angewendet, nicht etwa separat auf jedes einzelne Gehalt.

Bürgergeld Rechner: freien Hinzuverdienst selbst berechnen

Wer die Hinzuverdienstgrenzen und seinen Bürgergeld Anspruch selbst berechenen möchte, kann das hier tun: Bürgergeld Rechner.