Schnell wachsende Altersarmut, verfestigte Langzeitarbeitslosigkeit, so lauten die Schlagzeilen zum Thema Hartz 4. Vielen Betroffenen bleibt nichts anderes übrig als der Weg zur  Tafel, also zu gemeinnützigen Organisationen, von denen Sie billig oder umsonst Lebensmittel erhalten. Diese Menschen fühlen sich von der Politik nicht beachtet.

Tafel als Hilfe

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Altersarmut wächst stetig.

Wir haben nachgefragt:

Martina ist arbeitslos und Hartz IV Empfängerin. Sie ist mit Tom, ihrem siebenjährigen Sohn, zur Dresdener Tafel gekommen.

Martina: „Ich bin seit 2013 bei der Tafel.“

Wir: „Welchen Stellenwert hat das für Sie?

Martina: „Das ist mir und meiner Familie sehr wichtig. Wir haben nicht so viel Geld. Da hilft es enorm, dass wir hier so günstig an Lebensmittel kommen.

Die Essensspenden für sich und die Familie seien in gewisser Weise überlebenswichtig, erklärt uns die Anfang Vierzigjährige.

Martina: „Das ist traurig.“

Wie Martina denken viele, die die Tafel besuchen. Ihnen geht es ähnlich. Nehmen wir Tobias. Er ist gelernter Tischler. Ende der 90er-Jahre wurde er arbeitslos. Anschließend kam er in den Hartz 4 Bezug. Tobias kommt ebenfalls regelmäßig zur Tafel. Neben der Essensausgabe gibt es noch ein kleines Restaurant, eine Kleiderkammer und einen Möbelmarkt.

Viele Tafeln in Deutschland haben ihre Kapazitätsgrenze erreicht. Sie können keine Kunden mehr aufnehmen können, weil sie nur mit der Ware handeln können, die sie haben. Es funktioniert nicht, wenn nur für 50 Personen Güter vorhanden sind, aber 100 kommen

Die Mitarbeiter der Tafeln arbeiten fast alle ehrenamtlich.

Sie helfen mit, dass die Tafeln in vielen Orten keine reine Essensverteilstationen geblieben sind, sondern  zu Orten der Begegnung wurden: Niemand muss alleine sein. Auch Silvester und Weihnachten feiert man oft zusammen.

Langzeitarbeitslosigkeit verdichtet sich

Menschen, die das Angebot der Tafeln in Anspruch nehmen, bilden eine hohe Konzentration von Armut. Es kommt nicht selten vor, dass Hartz IV-Empfänger vier Jahre oder länger von staatlichen Hilfen leben.

Die Folge: Der  Teil der Langzeitarbeitslosen, die keinen Zugang zum Arbeitsmarkt mehr haben, verdichtet sich.

Viele Betroffene fühlen sich von der Politik vergessen.

Ältere verstärkt betroffen

Knapp ein Drittel der Hartz-IV-Langzeitbezieher ist älter als 55.

Studien zufolge wrd die Zahl der Rentner, die künftig auf staatliche Grundsicherung angewiesen sind, bis 2020 auf fast 30.000 Senioren ansteigen. Also mehr um das Vierfache.

Um Menschen aus der verfestigten Langzeitarbeitslosigkeit zu holen, sind neben Qualifizierungen vor allem auch sozialpsychologische Beratungen notwendig.

Das Selbstbewusstsein, die Wertschätzung der Arbeitslosen, muss gestärkt werden. Nur so werden sich die Menschen – auch wenn sie lange arbeitslos waren – wieder etwas zutrauen.