Gibt es faule Hartz 4 Bezieher?

sanktionen
Nur sehr wenige Hartz 4 Bezieher kommen ihren Pflichten nicht nach

Hartz 4, das ist die umgangssprachliche Bezeichnung der Grundsicherung für Arbeitssuchende nach dem SGB II, dem Sozialgesetzbuch 2. Buch. Sie ist – nomen est omen – eine Grundsicherung, eine Basisversorgung, das Existenzminimum.

Sanktionen kommen vor

Allerdings wird Hartz 4 nicht ohne weiteres und nicht ohne Bedingungen geleistet. Wer diese Bedingungen  nicht erfüllt, hat keinen Anspruch bzw. einen Anspruch, aber in geminderter Höhe. Mit anderen Worten: dem Hartz 4 Bezieher drohen Sanktionen in Form von weniger Geld. Nach den neusten Statistiken der Bundesagentur für Arbeit sind Männer erheblich öfter von Sanktionen betroffen als Frauen.

Männlichen Hartz 4 Beziehern wird statistisch gesehen doppelt so oft wegen Pflichtverletzungen das Geld gekürzt wie weiblichen Leistungsbeziehern. Die Daten der Bundesagentur für Arbeit sprechen deutliche Worte. So wurden durchschnittlich 91.000 Männer und 44.000 Frauen im ersten Quartal des Jahres 2017 mit Sanktionen belegt. Der Rückschluss, den Arbeitsagentur zieht: Frauen halten die Hartz 4 Regeln eher ein als Männer. Das muss jedoch relativiert werden: 588.000 der 4,4 Millionen erwerbsfähigen Hartz 4 Bezieher  sind Alleinerziehendeund  zumeist Frauen. Die würde eine Kürzung der Geldleistungen besonders hart treffen.

95 Prozent der Hartz 4 Bezieher sind bemüht

Dennoch sollte nicht verkannt werden. 95 Prozent aller Hartz 4 Bezieher beachtet das gesetzliche Regelwerk und kommen ihren Pflichten, insbesondere Meldepflichten sowie Pflichten aus Vereinbarungen mit dem Jobcenter nach. Es ist somit nur ein sehr geringer Prozentsatz der Leistungsbezieher, der die Pflichtverstöße begeht.

Allerdings:  Die absolute Zahl der Personen, gegenüber denen vom Jobcenter Sanktionen verhängt werden,  steigt nach Angaben der BA. Sie wuchs von durchschnittlich 131.000 im ersten Quartal 2015 auf 134.000 im Folgejahr und auf 135.000 im ersten Quartal 2017.

Dauer und Höhe der Sanktionen

Sanktionen haben in der Regel eine Dauer von drei Monate. Wenn das Jobcenter die Hartz-4-Leistungen im Rahmen einer Sanktion kürzt, so bekommt der Leistungsbezieher monatlich durchschnittlich 108 Euro weniger. Das sind ungefähr ein Viertel des normalen Hartz 4 Satzes für eine erwachsene Einzelperson. Der aktuelle Regelsatz beträgt für diesen Personenkreis aktuell 409 Euro  pro Monat.

Mitwirkungspflichten werden beachtet

Fazit: Hartz 4 Leistungsbezieher, die sich nicht an die Regeln halten und ihren Mitwirkungspflichten nicht nachkommen, gibt es vergleichsweise sehr wenig.  Unter diesen sehr wenigen wird es nach der Lebenserfahrung auch einige geben, die lieber zu Hause bleiben, als sich um eine Arbeit zu bemühen. Nur diese äußerst wenigen mag man als „faul“ bezeichnen, jedoch nur für sich selbst.

Der weitaus größte Teil aller Hartz 4 Empfänger ist bemüht, seine Situation zu verbessern, eine Arbeitsstelle zu finden und sich in das Arbeitsleben zu integrieren. Leider gibt es gegenwärtig immer noch zu wenig Möglichkeiten hierzu.

2 thoughts on “Gibt es faule Hartz 4 Bezieher?”

  • die manipulierte und schöngerechnete Arbeitslosenstatistik ist nicht anderes als eine Argumentations- und Rechtfertigungshilfe für die Politik bzw. dem System, um ein krankes, korruptes, das Millionen keine reguläre auskömmliche Teilhabe am Arbeitsmarkt mehr bietet (aufgrund sinkenden Arbeitsvolumens, durch z.B. massenhafte Verlagerung von Arbeitsplätzen und weite Teile der Wertschöpfungskette in andere Länder, Rationalisierung, Automatisierung u.a.), nur noch einer Minderheit, einschließlich den Politiker selbst, dienendes Politik und Wirtschaftssystem am Leben zu erhalten. Um die Ursache für Altagsarmut und Altersarmut die unweigerlich auf, nicht ein Paar Tausend, sondern mehrere Millionen Bürger konfrontiert und zu kommen wird zu rechtfertigen, nach dem Motto, sieh her die Arbeitslosenzahl ist und war niedrig also muss der Umstand das du arm bist, wirtschaftlich und sozial ausgegrenzt und am Abgrund lebst an dir selber liegen.
    Viele Deutsche erhalten überhaupt keine Unterstützung mehr, denn die Mittelschicht muss erst zur Unterschicht werden, dh. ihr kleines Vermögen aufbrauchen, um überhaupt vom Staat Hilfe zu erhalten.
    außerdem kürzlich war zu lesen:
    „Das ganze System Hartz IV ist darauf ausgelegt, es den Menschen möglichst schwer zu machen, Geld vom Staat zu bekommen“, sagt Steidl. „Man nennt das ,vertreibende Hilfe’. Das bedeutet, die Hürde, die man überwinden muss, um Unterstützung zu bekommen, ist so hoch, dass viele Leute es gar nicht erst versuchen.“
    Laut einer Meldung (basierend auf einer Berechnung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsfoschung) verzichten 3,1 – 4,9 Millionen Antragsberechtigte auf Hartz IV und leben so in verdeckter Armut. Herrscht doch in diesen Ämter ein unhöflicher und oft menschenunwürdiger Ton. Hinzu kommt das Drohzenario, das in diesen Ämtern aufgebaut wird und so manchen Anspruchsberechtigten davon abhält, zum JobCenter zu gehen.
    und natürlich steigen die Sozialausgaben wenn man die ganze Welt mit finanziellen Versprechungen anlockt, bleibt halt weniger für die Bürger von Deutschland und die Politiker können sich trotzdem noch empören, dass die Sozialkosten steigen!

  • kürzlich war zu lesen:

    Nur noch 53 Prozent der Beschäftigten mit Tarifvertrag: „Gesellschaftlicher Skandal“

    Die Zahl der Vollzeitstellen in Deutschland ist in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. Das schreibt die „Saarbrücker Zeitung“ und beruft sich dabei auf Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Danach wurden im zweiten Quartal dieses Jahres knapp 24,2 Millionen Vollzeitbeschäftigte gezählt. 1991, kurz nach der Wiedervereinigung, waren es noch 28,9 Millionen, also 4,7 Millionen mehr.
    Hohe Beschäftigung liegt an Teilzeitjobs
    Eigentlich erlebt Deutschland seit Jahren einen Beschäftigungsboom. Die Zahl der Beschäftigten wächst ungebrochen. Erst im Sommer meldete das Statistische Bundesamt einen neuen Rekord. Im zweiten Quartal zählte es 43,5 Millionen Beschäftigte.
    Dieser Beschäftigungsboom geht offenbar auf Teilzeitjobs zurück. Denn seit 1991 hat sich die Zahl der Teilzeitarbeiter mehr als verdoppelt. Sie stieg von 6,3 auf gut 15 Millionen. Zu dieser Gruppe zählen neben den Arbeitnehmern mit einem versicherungspflichtigen Job auch geringfügig Beschäftigte und Ein-Euro-Jobber.
    Parallel dazu ist das Arbeitsvolumen geschrumpft. Die Gesamtsumme aller geleisteten Arbeitsstunden ist im gleichen Zeitraum von knapp 52 Milliarden auf rund 50 Milliarden zurückgegangen.

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