Armut und Hartz 4 immer noch auf dem Vormarsch

Armut in Deutschland steigt.
Besuch im Café – nichts für Arme.

Soziale Organisationen mahnen: Die Armut in Deutschland hat einen Höchststand erreicht.  Im Jahr 2015 haben rund 12,9 Millionen Menschen (15,7 Prozent der Bevölkerung) unterhalb der sogenannten Einkommensarmut gelebt.  Das ist ein neuer Höchststand seit der Wiedervereinigung. Zehn Jahre zuvor lag die Armutsquote  noch bei 14,7 Prozent. Das ist ein Zeichen dafür, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung nicht mehr in einem Sinken der Armut niederschlägt, so z.B. der Paritätische Wohlfahrtsverband.

Probleme von Ost nach West verlagert

In allen ostdeutschen Ländern ist die Armutsquote zurückgegangen (mit Ausnahme Berlins). In den westdeutschen Bundesländern ist die Armutsquote hingegen stetig gestiegen (mit Ausnahme von Bayern und Hamburg).

Besondere Problemregionen sind Berlin und NRW. In Nordrhein Westfalen ist die Armutsquote von 14,4 Prozent im Jahr 2005 auf 17,5 im Jahr 2015 gestiegen. Prägend ist das Ruhrgebiet. Jeder fünfte dort (20 Prozent der Bevölkerung) gilt als arm. Im Länderranking trägt Bremen die Schlusslaterne, weil dort jeder vierte als arm gilt.

Armutsbericht

Grundlage des aktuellen Armutsberichts der Wohlfahrtsverbände ist der Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes. Als armutsgefährdet gelten Haushalte, die über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verfügen. 2015 lag die Armutsschwelle bei ca. 940 Euro für alleinstehende Personen und bei 1978 Euro für Paare mit zwei Kindern unter 14 Jahren.

2014 waren schätzungsweise 335.000 Menschen ohne eigene Wohnung. Es wird befürchtet, dass sich diese Zahl bis zum Jahr 2018 auf eine halbe Million erhöht.

Kritik

Der Armutsbericht sei zu pauschal, kritisierte der Deutsche Städte- und Gemeindebund. Personen, die weniger als 60 Prozent des Durchschnitts aller Deutschen zur Verfügung haben, generell als arm zu bezeichnen, sei zu undifferenziert. Diese Bewertung sage nichts über die tatsächliche Situation eines Menschen  und bedeute nicht, dass er sozial entwurzelt sei.

Unsere Meinung

Es gibt keine eindeutige, allgemein anerkannte Definition der Armut. Deshalb existieren widersprüchliche Statistiken und Auswertungen. Klar ist jedoch: solange es auch nur einen unverschuldet armen Menschen in Deutschland gibt, können muss gehandelt werden. Die Politik muss Wege finden, den Armutskreislauf zu unterbrechen. Es ist keinesfalls damit getan, an den Hartz IV Gesetzes herumzudoktern. Bereits im frühkindlichen Alter und dann in der Schule müssen die Chancen von Kindern, die aus bildungsfernen Familien kommen, verbessert werden. Nur mit einer guten Schulbildung und Ausbildung für alle lässt sich die Armut wirksam eindämmen.

2 thoughts on “Armut und Hartz 4 immer noch auf dem Vormarsch”

  • mit der Agenda 2010 bzw. den Hartz-Gesetzen wurde das Grundgesetz für Teile der Bevölkerung ausser Kraft gesetzt! Von fordern und fördern so gut wie keine Spur mehr, es geht nur noch um fordern bzw. einsparen um Mittel für andere und anderes frei zu machen (wie zB. eine Summe von 1,5 Milliarden Euro, die die Jobcenter in den letzten drei Jahren aus dem Hartz IV Fördertopf umgeschichtet haben um damit ihre eigenen Verwaltungskosten und Tariferhöhungen ihrer eigenen Mitarbeiter zu finanzieren) , quasi eine Enteignung durch die Hintertür.
    Ergebnis: die Verarmung und Verelendung ganzer Landstriche und Bevölkerungsgruppen! Der Umbau des Gesundheitswesen und die damit verbunden Streichungen von Leistungen der gesetzlich Versicherten kommt da noch erschwerend oben drauf! Daran ändern auch manipulierte Statistiken (wie z.H. die Arbeitslosenstatistik, Statistiken zur Vermögensverteilung usw.), die von der Medien-Mafia gebetsmühlenartig verbreitet werden, nichts! Ein System in dem die Mittelschicht ihr Vermögen loswerden und zur Unterschicht werden muss damit sie überhaupt Leistungen erhält, was so an bürgerfeindlicher Bürgerverelendungs und Verarmungspolitik in Europa wohl einmalig ist!
    Die Folge für die Zukunft ist ein Zunami an Altersarmut dieser prekär Beschäftigten und von längerer Zeit von Arbeitslosigkeit betroffener Menschen, was die Politiker die dafür verantwortlich sind aber nicht mehr interessieren wird, weil sie dann selbst schon selbst mit feudalen Altersbezügen im Ruhestand sind. Auch Weise, Alt und Becker, Clement, Müntefering, Stoiber und die anderen wird es nicht mehr interessieren weil sie dann unter ähnlichen Konditionen wie zB. Intendant des WDR (rund 370000 Euro im Jahr verdient er und außerdem hat die Anstalt bereits 2,9 Mio für seine Pension abgezweigt) sich in den Ruhestand verabschiedet haben oder werden. Zurück bleibt das Prekariat das Flaschen sammelt, unter den Brücken haust, in Mülleimern wühlt und bei den Tafeln gefüttert werden damit sie nicht auf andere Gedanken kommen.
    Welche Ausmaße diese Politik der wirtschaftlichen und sozialen Ausgrenzung inzwischen angenommen hat war kürzlich auf HartzIV org zu lesen, nämlich wie z.B.
    Hartz IV Sanktionen gnadenlos – auch gegen Familien mit Kindern
    oder
    Kein Hartz IV Schonvermögen: Eltern müssen Haus verkaufen
    oder
    Laut einer Meldung (basierend auf einer Berechnung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsfoschung) verzichten 3,1 – 4,9 Millionen Antragsberechtigte auf Hartz IV und leben so in verdeckter Armut. Herrscht doch in diesen Ämter ein unhöflicher und oft menschenunwürdiger Ton. Hinzu kommt das Drohzenario, das in diesen Ämtern aufgebaut wird und so manchen Anspruchsberechtigten davon abhält, zum JobCenter zu gehen.
    oder
    In Deutschland gibt es immer mehr Menschen, die in Armut leben. Dabei sind nicht nur Erwerbslose stark von Armut betroffen, sondern auch immer mehr Alleinerziehende.

  • nirgendwo anders als in Bayern werden Statistiken so dreist schöngerechnet und verfälscht wie in Bayern um das Versagen der Politik zu vertuschen und um sich selbst wirtschaftlichen Sachverstand zu zu schreiben und das das System des sich bei jeder Gelegenheit die Taschen vollzustopfen zu rechtfertigen (siehe Gröbenzell Rente mit 43 und lesen sie weiter unten***). Die oft mickrigen Altersrenten und die Zunahme der prekären Beschäftigung und die hohe Zahl der „Stillen Reserve“ in ländlichen Regionen sind Beleg für meine Darlegungen!

    kürzlich war zu lesen:

    Die AWO zeigt mit ihrem Sozialatlas „AWO-Sozialatlas“: In Bayern leben zu viele Menschen am Rand der Gesellschaft. Betroffen sind davon die unterschiedlichsten Gruppen – von jung bis alt.
    Nach der offiziellen Armutsdefinition seien 1,72 Millionen Menschen im reichen Freistaat von Armut gefährdet und tatsächlich arm. Betroffen sind davon die unterschiedlichsten Gruppen – von jung bis alt:

    -Kinder: Rund 120 000 junge Bayern sind noch nicht mal 16 Jahre alt und leben demnach schon von „Hartz IV“.

    – Alleinerziehende: 41 Prozent der 400 000 Alleinerziehenden im Freistaat sind den Zahlen der AWO zufolge von Armut gefährdet. Das wiederum ist für AWO-Vorsitzende Thomas Beyer ein Armutszeugnis: „Eigentlich eine Schande“, kommentierte er diese Zahlen.

    – Rentner: Rosig ist auch die Lage der Durchschnittsrentner und derjenigen, die es bald werden, im Freistaat nicht, wenn man den Zahlen der AWO glaubt. Demnach lag die durchschnittliche Rente für die Erstbezieher im Jahre 2012 bei 723 Euro (Männer: 941, Frauen: 516, Bundesdurchschnitt 757 Euro). Zum Vergleich die griechische Durchschnittsrente im Jahr 2014: 960 Euro. Daher ist jeder vierte Rentner im Freistaat von Armut bedroht. Deswegen fordert die AWO in ihrem Sozialatlas, das Rentenniveau nicht weiter abzusenken und zudem eine Mindestrente zu gewähren.

    – Pflegebedürftige: 34 Prozent der Bewohner von Pflegeheimen sind nach den Zahlen aus den AWO-Heimen auf Sozialhilfe angewiesen.

    – Obdachlose: Wie vielen Menschen in Bayern das Geld nicht mal mehr für ein eigenes Zuhause reicht, wisse man nicht, weil es darüber keine Statistik gebe. Zahlen darüber seien „nicht gewollt“, ist der AWO-Vorsitzende überzeugt.

    -kürzlich war zu lesen „In keinem anderen westlichen Bundesland nehmen sich so viele Menschen das Leben wie in Bayern. Mit 1.727 Suiziden gab es hier im Jahr 2013 mehr Tote als durch Verkehrsunfälle, Drogen, Aids, Mord und Totschlag“ – die Politik wird ihren Anteil daran haben! In Deutschland nehmen sich 11000 bis 13000 Menschen jährlich das Leben (das sind mehr Tote als durch Verkehrsunfälle, illegale Drogen, Gewalttaten und Aids zusammen).

    ***
    Selbstbedienungs-Paradies Bayern: In allen Bundesländern bewilligen sich Politiker selbst viel Geld – „aber der Freistaat treibt es auf die Spitze“, urteilt Verwaltungsrechtler Hans-Herbert von Arnim. Der Verfassungsrechtler Hans Herbert von Arnim prangert die Selbstbedienungsmentalität der bayerischen Politiker an: „Bayern ist Deutscher Meister im gezielten Verstecken verbotener selbstbewilligter Zuwendungen.“ Besonders großzügig ist das bayerische Recht bei den Mitgliedern der Regierung. Sie kassieren das Gehalt als Minister oder Staatssekretär plus einen Teil der Abgeordnetendiät plus einen Teil der steuerfreien Kostenpauschale. Andere Bundesländer verrechnen das viel radikaler: Da gibt’s dann gar keine oder eine stark gekürzte Abgeordnetendiät. Das führt dazu, dass in Bayern schon ein Staatssekretär mit 19.116 Euro im Monat deutlich mehr verdient als der Ministerpräsident von Hessen (16.628 Euro), Niedersachsen (15.660 Euro), Saarland (14.398 Euro) oder gar Schleswig-Holstein (12.558 Euro, jeweils verheiratet ohne Kinderzuschläge).

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