Das Pfändungsschutzkonto, kurz P-Konto genannt, kann von jedermann ab dem 1. Juli 2010 bei der Bank oder Sparkasse eingerichtet werden. Dadurch verbleiben gepfändeten Schuldnern automatisch 985,15 Euro im Monat auf ihrem Konto. Hiervon können dann die laufenden Kosten wie Miete oder Strom bezahlt werden. Für den Pfändungsschutz ist dann eine gerichtliche Eingabe nicht mehr notwendig. Durch das P-Konto kann bei vielen Schuldnern nun ein höhrere Betrag geschützt werden, als es bisher möglich war.

Hintergrund: Jeden Monat werden ca. 350.000 Konten im ganzen Bundesgebiet gepfändet, mit steigender Tendenz. Die Zahl der Verbraucherkonkurse hat einen neuen Rekordstand erreicht.  So waren im 1. Halbjahr 2010 54.780 Privatleute als zahlungsunfähig gemeldet.  Das waren 13,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum – so viele wie nie seit der Einführung der vereinfachten Privatinsolvenz im Jahr 2001.

Die Kontopfändung wird durch das Pfändungsschutzkonto an Bedeutung für die Gläubiger verlieren. Nun müssen die Schuldner nicht mehr befürchten, dass ihr Girokonto gesperrt wird und sie nichts mehr ausbezahlt bekommen. Miete, Strom, Versicherungen und Gas können nun mit Hilfe des P-Kontos weiter vom Girokonto gezahlt werden.

Bisher musste ein Antrag beim Vollstreckungsgericht gestellt werden, um Pfändungsschutz zu bekommen und Teile des Einkommens vor dem Zugriff der Gläubiger zu schützen. Auch wenn das Gericht das Konto freigab, konnte man es nur noch eingeschränkt nutzen; häufig kündigte die Bank ein gepfändetes Girokonto.

Ab dem 1. Juli 2010 fallen die Kontosperrung und der Gang zum Amtsgericht weg. Dadurch wird auch die Justiz entlastet. Es gibt keine Unterscheidung mehr zwischen der Art der Einkünften, also zwischen Rente, Lohn oder Arbeitslosengeld. Auch Selbständige können sich künftig eini P-Konto einrichten.

Wichtig: Man muss aktiv werden. Der Schutzbetrag von 985,15 Euro bleibt nur dann automatisch auf dem Konto stehen, wenn der Gepfändete ein P-Konto eröffnet hat oder sein Girokonto in ein solches umgewandelt hat. Das Einrichten oder Umwandeln ist kostenlos. Pfändungsschutz muss spätestens nach drei Geschäftstagen eingeräumt sein.

Der Pfändungsgrundbetrag von 985,15 Euro kann aufgestockt werden, wenn der Schuldner die entsprechende Nachweise erbringt. So kann sich die geschützte Summe um 370,76 Euro erhöhen, wenn der Schuldner eine Unterhaltszahlung für ein Kind oder einen Ehepartner belegt. Für jede weiter unterhaltsberechtigte Person steigt die Freigrenze um 206,56 Euro an.

So können überschuldete Bürger kleine Beträge bis zur Höhe des Grundfreibetrages ansparen, wen mal einen Monat etwas übrig bleibt.