Arm und Reich, diese sozialen Gegensätze bewegen sich in der Bundesrepublik immer weiter auseinander. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat das in einer neuen Statistik im Juni 2010 dargestellt.
Und das schlimme an dieser Entwicklung: die sozialen Gegensätze werden immer krasser. Das heißt im Klartext, die Armen werden immer ärmer, die Reichen immer Reicher. Die breite Gruppe in der Mitte zwischen den sozialen Polen schrumpft.

Die Bundesregierung tut hier zu wenig bzw. nicht das richtige, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, insbesondere, was ihre aktuellen Sparpläne anbelangt. Denn der jetzige Sparkurs werde diese Tendenz verstärken, so die Wissenschaftler.

Die Arbeit des DIW greift auf die Jahre 2000 bis 2009 zurück und stellte heraus, dass der Anteil der Armen in diesem Zeitabschnitt von 18 auf fast 22 Prozent anstieg. Einhergehend damit ging ihr durchschnittliches Nettoeinkommen inflationsbereinigt von 680 Euro auf 677 Euro zurück. Der Abstand auf die wachsenden Einkommen der Reichen und der Mittelschicht stieg deutlich.

Bei den reichen Bevölkerungsteilen erhöhte sich der Durchschnittsverdienst von 2569 auf 2672 Euro. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung wuchs gleichzeitig von 15,6 auf 16,8 Prozent. Im Jahr 2008 erreichte er 18,8 Prozent, in der Wirtschaftskrise sank er jedoch wieder.

Die Einkommen in der Mittelschicht wuchsen seit 2000 von 1.287 auf 1.311 Euro pro Person. Die Größe dieses Bevölkerungsteils reduzierte sich jedoch von über 64 auf 60 Prozent. Dies sei eine langfristige Tendenz. In der Vergangenheit sind immer mehr Menschen in die Schicht der geringen Einkommen gerutscht. So sei es verständlich, dass sich bei der Mittelschicht starke Ängste vor einem Verlust ihres Status einstellten.

Generell wächst die Angst vor einem sozialen Abstieg, vor Hartz IV.

Wann ist man nun arm, wann ist man reich? Die Antwort auf diese Frage sollte kein Problem sein. Die Wissenschaft stützt sich bei der Beantwortung auf das Medianeinkommen. Dieser Wert ist das Einkommen jenes Haushalts, der genau in der Mitte liegt, d.h. weniger verdient als die reicheren 50 Prozent und mehr als die ärmeren 50 Prozent. Das Medianeinkommen lag für Single-Haushalte im Jahr 2005 bei 1229 Euro. Als arm galt, wer über weniger als 70 Prozent dieser Summe verfügte – also über weniger als 860 Euro, als reich galt, wer 150 Prozent oder mehr Einkommen hatte, d.h. genau oder mehr als 1844 Euro.

Das Sparpaket wurde von der DIW kritisierte, denn die Konzepte beträfen an sich nur die unteren Einkommensbereiche. Auf den Punkt brachten brachte das Problem einer der Forscher mit der Frage:
„Warum sollen eigentlich die Menschen mit den hohen Einkommen keinen Sparbeitrag leisten?“

Was sagen sie? Das gleiche wie der Vorsitzende der IGM? Halten Sie das Sparpaket auch für unsozial, weil es den Menschen eine Millardenrechnung vorzeige und den Verursachern Milliardengewinne?