Aktuell und nicht zuletzt aufgrund des Urteils des Bundesverfassungsgerichts zu den Hartz IV Sätzen wird auf höchster Ebene über die Sozialleistungen debattiert. Die Migrationsbeauftragte der Bundesregierung fordert nun mehr Anstrengungen, um den Hartz IV Kreislauf bei Migranten zu beenden. 6,7  Millionen Menschen beziehen in Deutschland Hartz IV Leistungen. Der Anteil der Migranten bzw. Menschen mit Migrationshintergrund, wozu insbesondere die Kinder der Einwanderer zählen, daran beträgt 28 Prozent, obwohl ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung lediglich 19 Prozent ausmache.  Dies sei mehr als besorgniserregend, so die Migrationsbeauftragte. Die Arbeitsagenturen sollten diese Zielgruppe stärker bei ihrer Vermittlungsarbeit berücksichtigen.

Klar ist, was sich aus den Zahlen ergibt: Migranten erhalten deutlich häufiger Arbeitslosengeld II als Deutschstämmige. Doch was folgt daraus? Gibt es eine massenhafte, systematische Einwanderung in soziale Netze? Das fragt sich der Chefredakteuer der „Zeit“. Oder sind Migranten pauschal arbeitsunwillig?

Die Leiterin der Gruppe Integration/Migration beim Istitut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung verneint diese Fragen. Denn die Zuwanderergruppen haben überwiegend keinen direkten Zugang zu den Hartz IV Leistungen.

Die Gründe für den hohen Anteil der Einwanderer und ihrer Nachkommen an den Hartz IV Leistungen werden in der fehlenden Bildung, in fehlenden Deutschkenntnissen, in der fehlenden Anerkennung von Abschlüssen sowie in der höhen Arbeitslosigkeit von Ausländern gesucht.  Es handelt sich in erster Linie um ein Qualifikationsproblem.

Im einzelnen: Blickt man auf die Statistik, so hatten etwa im Jahr 2007 16 Prozent der Ausländer keinen Schulabschluss. Zum Vergleich: nur 6,5 % der Deutschen hatten keinen Schulabschluss. Nur 11 Prozent der Ausländer hatten das Abitur gemacht. Bei den Deutschen betrug der Anteil der Abiturenten 30 Prozent.  Das Bildungsniveau der Eltern hat großen Einfluss auf die Bildungschancen, was Migrantenkinder stark benachteiligt. Diese Benachteiligung setzt sich auf dem Arbeitsmarkt fort: Die Arbeitslosigkeit von Ausländern ist wenigstens doppelt so hoch wie die von Deutschen.

Hintergrund Einwanderung: In den Zeiten des Aufschwungs nach dem Krieg, also in den 1960er Jahren und Anfang der 1970er Jahre warb Deutschland Gastarbeiter aus Süd- und Osteuropa an. 1973  kam dann der Ölpreisschock und die Gastarbeiteranwerbung wurde durch eine zurückhaltende Politik der Zuwanderung ersetzt. Es gab einen Anwerbestopp und Rückkehrprämien, um den deutschen Arbeitsmarkt gegen ausländische Arbeitskräfte abzublocken. Es bleib nur noch Platz für Familienzusammenführung und der Zuszug von Aussiedlern. Aus diesem Grund ist das Qualifikationsniveau der in Deutschland lebenden Ausländern viel niedriger als im Durchschnitt der OECD-Staaten.