Die vom hessischen Ministerpräsidenten neu angestoßene Diskussion um Arbeitspflicht für Hartz IV Bezieher ufert aus. Dem Ministerpräsident Hessens ging am Freitag eine Bombendrohung zu. Es sei eine Bombenattrappe an die Staatskanzlei in Wiesbaden gesandt worden. Hierzu bekannte sich die Gruppe „Morgenlicht“. In ihrem Schreiben erklärte sie, die Rohrbombenattrappe sei ein Protest gegen die Forderung nach einer Arbeitspflicht für Hartz-IV-Empfänger. Gleichzeitig drohte sie für den Fall, dass der Ministerpräsident seine Forderung wiederhole, eine echte Bombe folgen werde. Der hessische Staatsschutz nahm den Vorfall sehr ernst und leitete Ermittlungen ein. Im Herbst hatte sich die Bewegung „Morgenlicht“ schon zu zwei Brandanschlägen auf Frankfurter Banken bekannt.

Koch hatte einen Tag vorher seine Ideen zu einer verschärften Arbeitspflicht für Hartz-IV-Leistungsbezieher noch einmal ausgefeilt. Er wolle die Hartz IV Bezieher zwar nicht pauschal kritisieren, „eine deutlich sichtbare Minderheit“ nutze das bestehende System aus. Die Regelungen für Zusatzverdienste müssten geändert werden, damit das Arbeiten wieder einen Anreiz darstelle. Für Alleinerziehende forderte er, dass dann, wenn diese keine Betreuung für ihre Kinder hätten, zunächst die Arbeitsagenturen diese Betreuung bezahlen sollten. Nach fünf Jahren Hartz IV müssten Korrekturen angesprochen werden können.

Unterdessen kam vom Paritätische Wohlfahrtsverband herbe Kritik an der Berichterstattung der „Bild“-Zeitung über Hartz-IV-Empfänger.  Unter der Die Schlagzeile von Bild hatte gelautet: „Macht Hartz IV faul?“. Bild rechnete vor, dass viele Teilzeitbeschäftigte und Geringverdiener netto weniger Einkommen hätten als Hartz-IV-Empfänger. Sie fragte zudem, ob die Langzeitarbeitslosen „wirklich alle nicht arbeiten können“. Der Wohlfahrtsverband wies die von der Zeitung präsentierten Zahlen als
falsch zurück. Bild hingegen erklärte, die Zahlen seien korrekt. Es sei auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit und auf Berechnungen des Bunds der Steuerzahler zurückgegriffen worden. Des weiteren war in dem Bild-Bericht zu lesen, dass die vom Bundesverfassungsgericht wahrscheinlich geforderte Erhöhung der Regelsätze für Kinder aus Hartz-IV-Familien den Abstand der Hartz-IV-Empfänger zur regulären Vollzeitarbeit weiter verringern werde.

Bayerns CSU Sozialministerin Haderthauer ging auf Abstand von den Forderungen aus Hessen. Sie erklärte, es gebe viele Hartz-IV-Empfänger, die auf Hilfe angewiesen seien. Sie sagte: „So mit ihnen umzugehen wie Koch ist aus meiner Sicht unanständig.“ So ein Stil würde das Niveau einer Diskussion um Hartz IV verderben. Für Hartz-IV-Bezieher, die sich in ihrer Situation gut einrichteten, seien bereits jetzt gesetzliche Instrumentarien vorhanden, die nicht richtig umgesetzt würden.