Ein Konzept zur Bekämpfung der Kinderarmut in Deutschland muss von der Bundesregierung erarbeitet werden. Das forderten zum Jahresbeginn 2010 das Deutsche Kinderhilfswerk und der Paritätische Wohlfahrtsverband. Deutschland stehe nach fünf Jahren Hartz IV vor der größten sozialen Zerreißprobe der letzten 60 Jahre. Es müsse eine Anti-Armuts-Agenda geschaffen werden. Der Hartz IV Regelsatz müsse sofort von derzeit 359 Euro auf 440 Euro angehoben werden. Dazu gehöre auch ein bedarfsgerechter Kinderregelsatz und die Wiedereinführung einmaliger Leistungen im Bedarfsfall.

Als Fazit sei festzustellen, dass nach fünf Jahren Hartz IV die Kinder- und Jugendarmut dramatisch angestiegen sei. Die derzeitige Regelung könne kein faires Erwachsenwerden sicherstellen.

Der neuen Bundesregierung warf der Präsident des Deutschen Kinderhilfswerks Untätigkeit vor, die den Kindern ihre Zukunft stehlen würde.

Armutsforscher kritisieren auch das neue, am 1. Januar 2010 in Kraft getretene Gesetz zur Beschleunigung des Wirtschaftswachstums. Es soll Bürgern und Unternehmen in den kommenden vier Jahren Enlastungen bringen. Unter anderem wurde das Kindergeld um je 20 Euro und der Kinderfreibetrag von 6024 auf 7008 Euro erhöht. Vom Gesetz würden jedoch arme Familien gerade nicht profitieren. Besonders auch für die Hartz IV Empfänger verpuffen diese Entlastung vollständig, da die Leistungen komplett auf den Hartz IV Regelsatz angerechnet werden. So sollte wenigstens die Kindergelderhöhung nicht auf die Hartz IV Leistung angerechnet werden.