Wer mit dem Bescheid des Jobcenters nicht zufrieden ist, kann sich kostenlos bei einem Rechtsanwalt beraten lassen. Notwendig hierfür ist ein Beratungshilfeschein, den das Amtsgericht ausstellt.

In Berlin geraten ide Kosten für die Beratungshilfe aus dem Ruder. Das Land muss mehr und mehr Geld für die Rechtsberatung von Mittellosen ausgeben. Im Jahr 2000 lagen die Kosten hierfür bei 1,2 Millionen Euro, im Jahr 2007 bei 5 Millionen.
Da diese Kosten nicht mehr tragbar sind, soll eine Bundesratsinitiative, ausgehen von Berlin, zu einer Änderung der gesetzlichen Grundlage führen.
In den Jahren 2007 und 2008 erhielten jeweils ca.  50.000 Berliner Bürger eine finanzielle Unterstützung, um sich über ein rechtliches Problem zu informieren. Bei Einführung des Gesetzes gingen die Fachleute davon aus, dass sich die Kosten bundesweit auf fünf bis sechs Millionen Euro belaufen würden. Zur Zeit jedoch liegen sie bei mehr als 80 Millionen Euro bundesweit.

Es sind 2 Faktoren: die Zahl der Hilfebedürftigen steigt, aber auch die Kosten pro Rechtsberatungsfall. „Während früher eine Beratung oft ausreichte, ist jetzt auch immer häufiger eine Vertretung durch einen Anwalt nötig“. Von durchschnittlich 63 Euro je Fall im Jahr 2000 schnellten die Kosten auf mehr als 110  Euro in 2007 hoch.

Antragsberechtigt sind mittellose Menschen. Mittellosigkeit richtet sich nach den gleichen Regeln wie bei der Hartz IV Prüfung.

Die Beratungshilfe wird gezahlt, wenn keine zumutbare Möglichkeit besteht, auf anderem Weg Hilfe zu erhalten. Hartz-IV-Bezieher bekommen also nicht automatisch finanzielle Hilfe, um sich juristischen Rat einzuholen. Denn: das Jobcenter ist verpflichtet, die Bezieher von Hartz IV Leistungen zu beraten. Das Land ist erst dann in der Pflicht, wenn nach der Beratung durch das Jobcenter ein Problem entsteht oder Betroffene sich falsch beraten fühlen.
Zu einem sprunghaften Anstieg der Kosten kam es 2005. In diesem Jahr wurde die Vergütung der Rechtsanwälte neu geregelt. Rund 40 Euro erhalten die Rechtsanwälte nun für ein Beratungsgespräch mit Hilfebedürftigen. Der jährliche Bedarf verdoppelte sich so von 1,9 auf 3,5 Millionen Euro. Gleichzeitig zeigten die Hartz-IV-Gesetze ihre ersten Wirkungen
Hartz IV ist somit zu einer Doppelursache für den Anstieg geworden. Zum einen wurden mehr Menschen anspruchsberechtigt, zum anderen führten die umstrittenen Hartz-IV-Gesetze zu einem dramatischen Anstieg der Klagen vor dem Sozialgericht.
Beim Berliner Sozialgericht gingen im Jahr 2008 ca. 21 500 neue Hartz-IV-Klagen und Hartz IV Eilanträge ein. 29 000 Verfahren wurden abgeschlossen. Der noch zu bearbeitende Bestand von Hartz-IV-Akten ist 2008 um 4500 Fälle auf 15 500 angewachsen.
Auch in den Jobcentern stauen sich die Verfahren wegen des enormen Andrangs. In den Berliner Jobcentern liegen derzeit mehr als 150 000 Stücke unbearbeitete Post von Hartz-IV-Empfängern. An der traurigen Spitze steht das Jobcenter in Spandau. Dort sind ca. 40 000 Vorgänge nicht abschließend bearbeitet.