2,59 Euro ist das Tagesbudget für die Ernährung eines sechsjährigen Kindes, dessen Eltern Hartz IV Leistungen erhalten. Sechs- bis 13-Jährigen stehen 3,02 Euro pro Tag zu, Jugendlichen zwischen 14 und 24 Jahren 3,45 Euro.Das Bundesernährungsministerium vertritt die Ansicht, es sei genug, um ein Kind oder einen Jugendlichen gesund und vollwertig zu ernähren. Ist diese Ansicht zutreffend?

Wissenschaftler und Mediziner vertreten die Auffassung, wer von Hartz-IV leben müsse, lebe nicht gesund. So gebe es Studien, die einen Zusammenhang zwischen Armut und Übergewicht herstellen. Billigangebote aus dem Lebensmittel-Discounter und preisgünstige Pommes Frites könnten gesundheitsgefährdende Gewichtsprobleme hervorrufen.  Die Kinder ärmerer Eltern seien häufig zu dick. Hartz-IV sei nicht ausreichend, um Kinder gut zu ernähren. Hartz IV Kinder lebten zwangsweise ungesund.

Stellte man auf eine vierköpfige Familie ab, die im Hartz IV Bezug steht, so ergibt sich, dass sie mit 14 Euro pro Tag  für Essen und Trinken auskommen muss. Ist das für eine vollwertige Ernährung nach den Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) hinreichend ? Zwei Schülerinnen aus Berlin haben dies getestet. Mit ihrem Praxis-Versuch belegten sie den ersten Platz im Bereich Biologie bei „Jugend forscht“.

Die Schülerinnen kauften ein halbes Jahr lang ein, kochten selbst und ermittelten die Nährwerte aller gekaufter und verarbeiteter Lebensmittel. Sie arbeiteten mit einer Versuchsfamilie, die aus zwei Kindern und Eltern bestand, nämlich der einer der Schülerinnen. Sie leben nicht wirklich von Hartz IV. Während ihres Experiments haben sie immer die billigsten Produkte gekauft, auf Extras verzichtet. Die Mädchen berechneten den Wert jede Kilokalorie in Euro. Sie ermittelten 0,13 Euro pro Kilokalorie.
Das Ergebnis des Experiments: 14 Euro pro Tag decken 60 Prozent des Regelbedarfs eines zehnjährigen Kindes und 80 Prozent eines 14-jährigen Jungen. Das ist nicht genug.
Der Kommentar der Berliner Schülerinnen: „Wir können sagen, Sarrazin hat schon irgendwie recht, es reicht zum Leben. Aber dann hat er auch wieder unrecht, denn die soziale Gesundheit bleibt unberücksichtigt.“