Über 55 – Job, Rente oder Hartz IV?

Vorurteile gegenüber älteren Arbeitnehmern gibt es viele: zu teuer, zu langsam, nicht genügend lernfähig. Die Wirkung dieser (falschen) Meinung zeigte sich in den Jahren des Aufschwungs von 2004 bis 2008. Bei den über 55-Jährigen ging die Zahl der Arbeitslosigkeit nur um 12 Prozent zurück. Bei den jüngeren Arbeitnehmern waren es 25 Prozent.
40 Prozent der Unternehmen beschäftigen keinen Arbeitnehmer über 50 Jahre. Auch die Altersteilzeit für beinahe nur für den vorzeitigen Ruhestand genutzt.

Doch in Deutschland hat ein demografischer Wandel eingesetzt. die 50- bis 64-Jährigen werden bald die stärkste Gruppe der Erwerbstätigen sein. Die Ursachen liegen einmal im stufenweisen Anheben der Rentengrenze auf 67 Jahren, zum anderen rücken weniger junge Fachkräfte nach. Entscheidend ist somit die Fortbildung der älteren Arbeitnehmer geworden. Das BIBB, das Bundesinstitut für Berufsbildung führte eine Umfrage in mehr als 500 Betrieben durch. Das Ergebnis: jeder zweite Arbeitgeber hält eine bessere Weiterbildung für über 50-Jährige für wichtig. „Seminar 50 Plus“ heißt die Devise. So nehmen heute 19 Prozent der über 50 Jahre alten Arbeitnehmer an Weiterbildungen teil. Bei den 30 bis 49 Jahre alten Beschäftigten sind es lediglich 31 Prozent.

Ein Problem ist jedoch der Gesundheitsschutz. 17 Prozent der Neurentner des Jahres 2007 mussten vor dem 60. Geburtstag den Beruf meist aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Im Jahr 2007 gaben die gesetzlichen Krankenkassen 50 Prozent mehr für betriebliche Gesundheitsförderung aus als noch im Jahr 2001. Die Unternehmen können dieses Geld für Beratungen am Arbeitsplatz einsetzen. Dieses Angebot der Krankenkassen wurde jedoch sehr unterschiedlich genutz. Industriebetriebe forderten 40 Prozent dieser Gelder ein, obwohl sie nur 10 Prozent der Arbeitsplätz stellen. Handel und Bürobetriebe sahen kaum Bedarf.

Auch im Punkt Wissenstransfer besteht ein Mangel an Wissen im unternehmen. So werden 50 bis 60 Jahre alte Arbeitnehmer gehen gelassen, ohne das diese ihr Spezialwissen an die jüngeren Arbeitnehmer weitergeben können. Nachfolger und Vorgänger müssten eine gewisse Zeit zusammenarbeiten; dieses kostet zwar mehr Geld, zahlt sich im Endeffekt jedoch mehr als zufriedenstellend aus. Doppeltes Gehalt will allerdings fast kein Arbeitgeber zahlen. Die ehemaligen Arbeitnehmer werden hingegen gebeten für Einzelprojekte im Rahmen eines 400 Euro Mini-Jobs ihr Wissen noch einmal in den Betrieb einzubringen. So haben etwa 1,18 Millionen der über 60-Jährigen einen Mini-Job mit maximal 400 Euro Gehalt.
Der Übergang von Beruf zum Ruhestand wird so flexibel gestaltet.

Fazit: So, wie oben geschildert, sollte es sein. Doch in vielen Fällen sieht die Situation der über 55-Jährigen nicht so gut aus. Vielfach werden sie aufs Abstellgleis geschoben, Arbeitslosigkeit und auch Hartz IV Bezug ist die Folge.