Viele Berufstätige in Deutschland zählen mittlerweile zu den Hartz-IV-Empfängern. Und die Zahl steigt – nicht erst jetzt, als sich ein wirtschaftlicher Abschwung andeutet.

Die Zahl der Arbeitnehmer, die trotz eines Vollzeitjobs auf staatliche Sozialleistungen in Form von Hartz IV angewiesen sind, erhöhte sich im Laufe des Jahres 2008 deutlich. So waren von Januar bis Juli 2008 1,35 Millionen Menschen auf ergänzende Hartz-IV-Zahlungen zusätzlich zu ihrem Lohn angewiesen. Diese Zahl splittet sich auf in ca. 628.000 so genannten Aufstockern mit Vollzeit- oder Teilzeitjob fallen und 724.000 Hartz-IV-Empfänger, die geringfügig beschäftigt sind.
Die Bundesagentur für Arbeit (BA) veröffentlichte am 4.12.08 eine Statistik, nach der die die Zahl der Aufstocker, deren Einkommen bei mindestens 800 Euro brutto im Monat liegt, in den ersten sieben Monaten dieses Jahres, um 15.000 auf knapp 385.000 Menschen angestiegen ist. Die Anzahl der Bezieher von ALG II Leistungen mit einem Bruttoverdienst zwischen 400 und 800 Euro hat sich nach dieser Statistik in dieser Zeit um fast 12.000 auf 243.550 vergrößert.

Der Arbeitsmarktexperte des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Adamy, erklärte in einem Zeitungsbericht, dass auf diese Weise Lohndumping praktisch vom Staat gefördert werde. Zwar sei die Zahl der arbeitslosen Hartz-IV-Empfänger um etwa ein Fünftel gefallen, dennoch habe sich die Zahl der Aufstocker auch auf lange Sicht auffallend vergrößert.
Eine BA-Sprecherin erklärte, dass es nicht leicht sei, die Zahlen zu interpretieren. Eine Zunahme der Hartz IV – Bezieher müsse  nicht unbedingt im Widerspruch zum Aufschwung stehen. Den Arbeitsagenturen sei es öfter gelungen, besonders schwierige Fälle wie gering Qualifizierte oder Langzeitarbeitslose wieder in einen Job zu vermitteln. Doch reiche der Verdienst aus diesen Härtefälle-Jobs häufig nicht aus, um den Lebensunterhalt zu bestreiten; das mache zusätzlich Leistungen von Hartz IV notwendig.