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Konjunktur wenig Auswirkungen auf Hartz 4

Die Arbeitslosenzahl ist in den ersten Monaten 2015 weiter gesunken, die Zahl der Erwerbstätigen steigt stetig. Wie lange hält der Aufwärtstrend noch an?

Glaubt man dem Chef der Bundesagentur für Arbeit, so ist ein Ende nicht in Sicht. Nach seiner Prognose wird die Zahl der Arbeitslosen 2015 noch stärker zurückgehen als erwartet, auf im Schnitt 2,8 Millionen. Statt 20.000 weniger Menschen ohne Job werden es im Jahresdurchschnitt gut 100.000 weniger sein. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten könnte um 540.000 steigen – und mit 30,74 Millionen ein Allzeithoch erreichen.

Befristung von Arbeitsverträgen immer noch die Regel

Allerdings stellen Arbeitgeber immer noch lieber befristet ein. Die Entscheidung der Arbeitgeber, Verträge zu entfristen, fällt aber schneller als in der Vergangenheit– oft schon nach wenigen Monaten.

Minijob und Teilzeit

Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung hat jüngst eine Studie präsentiert, wonach rund 39 Prozent der Arbeitnehmer nur einen Leiharbeits-, Teilzeit- oder Minijob haben.
Aufgrund dessen lässt sich fragen, ob es am Arbeitsmarkt mehr Schein als Sein gibt. Dagegen lässt sich jedoch anführen – und so hat sich der Chef der BA jüngst in einem Zeitungsinterview geäußert, dass flexiblen Arbeitsformen von vielen Menschen gewünscht sind, sei es Teilzeit aus familiären Gründen oder ein zusätzlicher Minijob neben der regulären Arbeit weil man sich etwas zusätzlich leisten will. Auch Rentner arbeiten nicht selben weiter. Arbeit sei immer besser als Arbeitslosigkeit.

Kommt die Vollbeschäftigung in Deutschland?

Vollbeschäftigung bedeutet, dass die Arbeitslosenzahl nach auf eine Million sinkt.
In einigen Regionen Süddeutschlands ist das der Fall.

Aber bis zum Ziel sind noch vielfältige Probleme aus dem Weg zu räumen.
Drei von vier Menschen, die länger als ein Jahr arbeitslos sind, haben keinen Schulabschluss, keine Ausbildung oder sind älter als 50 Jahre. Wer Hartz4 bezieht oder im Alter arbeitslos wird, hat es selbst bei bester Konjunktur schwer, einen Job zu finden. Hartz 4 Bezieher können vom derzeitigen Beschäftigungsaufbau nur wenig mitnehmen. Ihnen machen andere Gruppen am Arbeitsmarkt den Wiedereinstieg in den Job schwer, etwa wieder einsteigende Frauen oder Zuwanderer, die oft besser qualifiziert sind.

Schadet der Mindestlohn gering Qualifizierten?

In Zeiten einer guten Konjunktur ist dies nach Ansicht der BA nicht der Fall. Wenn sich die wirtschaftliche Lage verschlechtert, mag das anders aussehen. Ende 2015 ist vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung eine erste Evaluation zu erwarten. Auf lange Sicht werden sicher Stellen wegfallen – regional und in bestimmten Branchen.
Nach Angaben der Minijob-Zentrale sind allerdings im Januar, als der Mindestlohn eingeführt wurde, 255.000 Minijobs weggefallen.

Nach Berechnungen der BA war der Rückgang im Januar um 135.000 stärker als üblich. Aber gleichzeitig gab es mehr sozialversicherungspflichtige Stellen in Branchen, für die der Mindestlohn relevant ist, beispielsweise in der Gastronomie oder im Einzelhandel. Dauraus kann man den Schluss ziehen, dass die Arbeitgeber zumindest teilweise Minijobs in Voll- oder Teilzeitstellen umwandeln.

Die Zahl der älteren Erwerbstätigen ist erstmals seit Jahren gesunken

Als Grund hierfür kann die seit Juli geltende Rente mit 63 angeführt werden. Denn nach neuesten Erhebungen ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zwischen 63 und 65 Jahren im zweiten Halbjahr 2014 untypischerweise um 55.000 zurückgegangen.
Nach der Statistik dürfte sich der Rückgang bei den älteren Erwerbstätigen fortsetzen.

Hartz 4 erfordert hohe Betreuungsleistung durch die Jobcenter

Die BA fordert eine politische Initiative zur Entbürokratisierung in der Grundsicherung. So könnten Sanktionen vereinfacht, eine Bagatellgrenze für Erstattungsforderungen eingeführt oder der Bewilligungszeitraum von Hartz-IV-Bescheiden von sechs auf zwölf Monate erhöht werden.