Über sechs Jahre müssen sich Hunderttausende mit einem Namen befassen, den sie nicht gerne hören: Hartz IV. Doch besinnen wir uns einmal zurück. Sie klingen uns noch im kopf, die Schlagworte Agenda 2010 und Reform.

Das Ziel der Zusammenlegung von Sozial- und Arbeitslosenhilfe und damit der Einführung von „Hartz IV“ im Jahr 2005 war es, die Langzeitarbeitslosen schneller wieder in die Berufswelt zu integrieren. Dafür hatte man ein neues Förderunssystem geschaffen, aber auch Leistungskürzungen und ein Sanktionssystem in Kauf genommen.

Wissenschaftler im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans Böckler Stiftung haben nun unter Rückgriff auf repräsentativen Daten des Sozio-ökonomischen Panels (Soep) überprüft, ob dieses Ziel erreicht werden konnte. Dafür haben sie die Dauer von Arbeitslosigkeit vor und nach der Einführung der Hartz IV Gesetze verglichen.
Nach dieser Studie waren die Langzeitarbeitslosen vor 2005 im Durchschnitt 12 Monate ohne Job. Nach 12 Monaten waren die Hälfte der begutachteten Arbeitslosen wieder in Arbeit oder standen aus sonstigen Gründen, wie etwa Rente oder Ausbildung, dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung. Im nachfolgenden Jahr sank die Arbeitslosigkeit um 20 Prozent, im nächsten um weitere 11 Prozent. Im vierten Jahr waren noch 13 Prozent ohne Job.

Die Zahlen ab 2005, also der Einführung von Hartz iV, sind nahezu identisch. Jetzt dauerte die Zeit der Arbeitslosigkeit durchschnittlich 13 Monate (ein Monat mehr). Nach einem Jahr standen die Hälfte der Hartz IV Bezieher in Arbeit bzw. außerhalb des Arbeitsmarktes. In den darauf folgenden Jahren ging die Arbeitslosigkeit um 20 und weiter um 10 Prozent zurück. Nach vier Jahren waren 16 Prozent immer noch erwerbslos.

Eine mögliche Unrichtigkeit durch eine verschlechterte Arbeitsmarktsituation oder durch eine andere Zusammensetzung der Gruppe der Arbeitslosen wurde durch die Wissenschaftler ausgeschlossen, indem sie weitere Gegenrechnungen aufstellten.

Die Bilanz der Wissenschaftler läuft darauf hinaus, dass schon die Faktensammlung und Auswertung für die Hartz-IV Einführung fehlerhaft war. Armut und Bezug von Sozialhilfe seien gerade kein Langzeitphänomen. Im Gegenteil: die Verweildauer im Sozialleistungsbezug sei vor und nach der Hartz-IV Einführung „überwiegend relativ kurz“ (gewesen).

Die Konklusio der Wissenschaftler ist, „dass das Kernpproblem, für das die Hartz-Gesetze geschaffen wurden, nicht existierte.“  Anders ausgedrückt:“ dass es nicht gelungen ist, die Arbeitslosigkeitsdauer weiter zu reduzieren“. Und sie deuten auf die Folgen der Hartz-Reform: Soziale Ungleichheit und Armut nehmen trotz Arbeit zu. Den Kosten der Reform stehe kein Nutzen gegenüber, da dadurch gegen „gesellschaftlich breit geteilte Gerechtigkeitsvorstellungen“ verstoßen worden sei. Mit einfachen Worten: Hartz IV war für die Katz.