Wer Leistungen nach dem SGB II bezieht, also Hartz IV Gelder, der wird sich darüber informiert haben, wieviel er neben dieser Sozialleistung hinzuverdienen darf. Doch oft ist die Konstellation derart, dass man als Arbeitslosengeld 2 Bezieher einen sozialversicherungspflichtigen Job hat, dieser jedoch nicht ausreicht, um sich und die Familie am Leben zu erhalten. Auch Selbständige sind oft in dieser Situation.

Die Zahl der sogenannten Aufstocker hat in den vergangenen Jahren immer mehr zugenommen. So bezogen im Jahr 2010 durchschnittlich 1,4 Millionen Menschen diese ergänzenden Hartz IV Leistungen. Das waren 4,4 Prozent mehr als im Jahr 2009. Nimmt man 2007 als Vergleichsjahr, so sind es sogar 13 Prozent mehr. Diese Zahlen ergeben sich aus einer neuen  Statistik der BA, der Bundesagentur für Arbeit.

Diese Tendenz scheint im Zusammenhang mit dem gegenwärtigen Wirtschaftsaufschwung nicht erklärbar, jedenfalls auf den ersten Blick. Doch wie passt das mit dem starken Aufschwung zusammen? Im Arbeitsministerium erklärt greift man als Erklärung auf die stark steigende Nachfrage nach Arbeitskräften zurück. Davon seien sowohl reguläre, sozialversicherungspflichtige Tätigkeiten betroffen, aber auch die Arbeitsgelegenheiten für Langzeitarbeitslose.

Problematisch werde dies, wenn immer mehr Menschen, die bereits in Arbeit sind, in Hartz IV hineinrutschen. In dem Fall, dass Langzeitarbeitslose durch erstmalige Aufnahme einer – gering bezahlten – Arbeit zu Aufstockern werden, sei dies weniger gravierend.

Von der BA (Bundesagentur für Arbeit) ist zu hören, dass es prinzipiell gut ist, wenn Arbeitslose eine Arbeitstätigkeit aufnehmen, selbst wenn diese nicht gut bezahlt werde. Es sei auch zu unterstützen, wenn ein Erwerbsloser zunächst Teilzeit arbeite. Natürlich gebe es auch die Fälle, in denen Arbeitgeber das Institut missbrauchen und vor dem Wissen einer Aufstockung ihren Lohn festsetzten.

Die meisten Hartz IV Aufstocker leben in den neuen Bundesländern. Einen großen Anteil nehmen Selbstständigen bei Teilzeit-Angestellte und Minijobber ein. In den östlichen Bundesländern erhalten 5,0 Prozent der Arbeitnehmern zusätzlich Hartz IV Leistungen, im Westen sind es 2,1 Prozent. Zeitarbeit, Gastronomie, Dienstleistungsberufe und Privathaushalten sind die Tätigkeitsbereiche, in denen die Aufstocker hauptsächlich arbeiten.

Der DGB bezeichnet es als nicht tragbar, dass Arbeitgeber Millionen Beschäftigten äußerst niedrige Löhne zahlten, welche aus Steuermitteln aufgestockt würden. Das sei eine milliardenschwere Subventionierung des Lohndumpings. Ein flächendeckender Mindestlohn von 8,50 Euro sowie gleichen Lohn für gleiche Arbeit in der Leiharbeit seien die Gebote der Stunde, um Abhilfe zu schaffen. 350.000 Arbeitnehmer trotz eines Vollzeitjobs von Hartz IV Zahlungen abhängig.