Hartz IV – eine Thema, das Frauen und Männer in gleicher Weise berührt. Allerdings gibt es spezielle Sachfragen zum Themenbreich Hartz IV, die sich für Frauen anders stellen als für Männer. Auch für Kinder gibt es Sonderregeln. Hier geben wir einen Überblick zum Themenkreis alleinerziehende Mütter oder Väter.

Alleinerziehend und Hartz IV

 

Wie viele Alleinerziehende beziehen Hartz IV?

Zunächst wollen wir einen Blick darauf werfen, wie viele Alleinerziehende Leistungen nach dem SGB II (Hartz IV) beziehen. Nach der letzten offiziellen Statistik der Bundesagentur für Arbeit gab es im Dezember 2013 610000 alleinerziehende erwerbsfähige Hartz-IV-Leistungsberechtigte, davon waren 94 Prozent (573000) Frauen und oder 6 Prozent (37000) Männer. Im Lauf der letzten Jahre veränderte sich die Zahl der alleinerziehenden Hartz-IV-Bezieher wie folgt:

Alleinerziehende Hartz IV Bezieher(innen)
im Dezember

des Jahres

insgesamt Frauen Männer
2013 609.716 572.942 36.774
2012 607.262 571.306 35.956
2011 608.071 573.774 34.297
2010 617.828 583.675 34.153
2009 635.221 601.044 34.177
2008 641.490 608.942 32.549
2007 659.270 624.966 34.304

Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Dezember-Monate 2007 – 2013; Stand Mai 2014

Hartz-IV-Quote der Alleinerziehenden

Interessant zu wissen ist ebenfalls, wie hoch ist der Anteil der Alleinerziehenden, die Hartz-IV-Leistungen beziehen, an allen Alleinerziehenden, wie hoch also die SGB-II-Quote im jährlicher Durchschnitt ist. seit dem Jahr 2005)?

Anhand der Bevölkerungsdaten aus dem Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes, die sich auf eine Stichprobenbefragung gründen, lässt sich die Zahl der alleinerziehenden erwerbsfähigen Leistungsberechtigten auf die Zahl aller die Alleinerziehenden in der Bevölkerung beziehen. So kann eine Hartz-IV-Quote der Alleinerziehenden berechnet werden.
Diese Hartz-IV-Quote der Alleinerziehenden lag im Dezember 2013 bei 39 Prozent und hat sich seit Dezember 2007 (42 Prozent) um 3 Prozent verringert.

Hartz-IV-Anteil aller Alleinerziehenden
Dezember

des Jahres

Anteil in Prozent
2013 38,9
2012 38,6
2011 39,1
2010 39,9
2009 41,4
2008 41,1
2007 42,4

Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit; Dezember-Monate 2007 bis 2013, Stand: Mai 2014

Unterschiedliche Situation der Alleinerziehenden

Die Ausgangssituation der Alleinerziehenden im SGB-II-Leistungsbezug sind unterschiedlich. Die Alleinerziehenden im Hartz IV Bezug sind entweder arbeitslos, erwerbstätig, in einer arbeitsmarktpolitischen Maßnahme oder stehen wegen der Erziehung eines Kindes bis drei Jahre oder der Pflege einer bzw. eines Angehörigen (nach § 10 Absatz 1 Nummer 3 und 4 SGB II) dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung.

Aus der Hartz-IV-Statistik können die erwerbsfähigen Leistungsberechtigten entnommen werden, die arbeitslos oder erwerbstätig sind. Im Dezember 2013 lag die Zahl der alleinerziehenden erwerbsfähigen Leistungsberechtigten bei ca. 610000. Hiervon 40 Prozent (245000) arbeitslos und 36 Prozent (218000) erwerbstätig. Beachtet werden muss bei diesen Zahlen, dass ein Teil der Erwerbstätigen auch gleichzeitig arbeitslos sein kann, wenn die Beschäftigung weniger als 15 Wochenstunden umfasst.

Arbeitslose und erwerbstätige Hartz IV beziehende Alleinerziehende

Dezember

des Jahres

erwerbsfähig arbeitslos und

erwerbsfähig

erwerbstätig
2013 609.714 345.091 217.767
2012 607.262 238.859 216.355
2011 608.070 247.695 214.080
2010 617.865 251.443 208.635
2009 635.247 263.751 210.693
2008 640.138 268.886 208.545
2007 656.304 296.060 193.565

Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Dezember-Monate 2007 bis 2013, Stand: Mai 2014

Die Förderstatistik der Bundesagentur für Arbeit stellt dar, wie viele Alleinerziehende im Dezember 2013 an einer arbeitsmarktpolitischen Maßnahme teilnahmen. Danach gab es ca. 70.000 alleinerziehende Teilnehmer aus dem SGB II Bereich. Dies kann anhand der Kostenträgerschaft ermittelt werden.

Alleinerziehende Teilnehmer an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik

Dezember

des Jahres

mit Kind unter 3 Jahren pflegende Hilfebedürftige Gesamtzahl
2013 95.462 5.030 100.492
2012 92.306 4.719 97.025
2011 86.793 4.805 91.598
2010 91.124 4.921 96.045
2009 90.568 4.490 95.058
2008 89.605 3.937 93.542

Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Dezembermonate 2008 – 2013; Stand: Mai 2014

Die Arbeitslosenstatistik offenbart darüber hinaus, wie viele Alleinerziehende Leistungen empfangen und im Bereich Hartz IV (SGB II) gemeldet sind, aber den Sondertatbestand des § 10 Absatz 3 und 4 SGB II erfüllen und daher als Nichtarbeitslose gelten.

Im Dezember 2013 waren ca. 100000 Personen von dieser Regelung betroffen, davon standen etwa 95000 wegen der Erziehung eines Kindes unter 3 Jahren und 5000 wegen der Pflege Angehöriger der Arbeitsvermittlung nicht zur Verfügung.

Alleinerziehende Hartz-IV-Empfänger, die nach § 10 SGB II (Absatz 3 und 4) nicht zur Verfügung stehen

Dezember

des Jahres

mit Kind unter 3 Jahren pflegende Hilfebedürftige Gesamtzahl
2013 95.462 5.030 100.492
2012 92.306 4.719 97.025
2011 86.793 4.805 91.598
2010 91.124 4.921 96.045
2009 90.568 4.490 95.058
2008 93.542 3.937 93.542

Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Dezembermonate 2008 – 2013; Stand: Mai 2014

Altersgrenze

Die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes ist verkürzt worden. Bis zur Vollendung des 56. Lebensjahres wird nur noch ein Jahr Arbeitslosengeld gezahlt, für ältere Frauen wird für die Dauer von 18 Monaten Arbeitslosengeld gezahlt.

Alterssicherung

Für alle vor 1948 geborenen Frauen und Männer gilt weiter der Vermögensschutz der Arbeitslosenhilfeverordnung 2002, d.h. ein Vermögensfreibetrag von 520 Euro je vollendetem Lebensjahr, maximal jedoch 33.800 Euro je Partner, wenn beide vor 1948 geboren sind). Bei einer angefallenen Erbschaft (die ja auch einer Alterssicherung dienen kann) müssen die Erben ihnen gezahltes ALG II, das entweder in den letzten 10 Jahren oder als Darlehn gezahlt wurde, aus dem Erbe zurückzahlen. Aufgrund lückenhafter Erwerbsbiographien, Teilzeitarbeit und geringer Löhne erwartet Viele ältere Frauen haben nur eine sehr geringe Rente zu erwarten, etwa wegen Teilzeitarbeit, geringen Löhnen. Dazu kommt, dass die während des Bezugs von Hartz IV gezahlten Sozialbeiträge nur gering sind. Privat aufgebaute Vorsorge, die bei Frauen eher selten in erheblichen Größenordnungen vorhanden ist, muss auf der anderen Seite bei einem ALG II Bezug zum großen Teil aufgelöst werden. Hinzu kommt, dass bei Wegfall aller Bezüge durch ein zu hohes Partnereinkommen auch die Rentenversicherungspflicht entfällt.

Ältere Frauen

Aufgrund des Abbaus des Kündigungsschutzes und altersdiskriminierender Personalpolitik vieler Unternehmen sind ältere Frauen nicht unerheblich von Arbeitslosigkeit bedroht. Wer bis Ende Januar 2006 arbeitslos wird, älter als 45 Jahre ist und länger als 24 Monate sozialversicherungspflichtig beschäftigt war, für den gilt die bisherige längere Bezugsdauer von Arbeitslosengeld fort. Wer ab dem 60. Lebensjahr frühverrentet wird, genießt einen Bestandsschutz für die erleichterten Voraussetzungen zum Bezug von Arbeitslosengeld bis zum Jahr 2006 („58er-Regelung“). Viele Arbeitslose über 58 Jahre hatten mit der Bundesagentur für Arbeit vereinbart, auf Jobvermittlung zu verzichten als Gegenleistung für eine Unterstützung bis zum Renteneintritt. Durch den Hartz IV Bezug kann ein erheblicher Leistungsverlust eintreten. Ab 2006 erwirbt man bei Erwerbsfähigkeit einen Anspruch auf ALG II. Später gilt dies nur noch, wenn der ALG II Anspruch vor dem 1. Januar 2006 entstand und vor diesem Tag das 58. Lebensjahr vollendet wurde. Bei Neueinstellungen können Erwerbslose ab dem 55. Lebensjahr die Arbeitgeberkosten für Sozialversicherungen von der Bundesagentur für Arbeit übernehmen lassen.

 

Pluspunkte von Hartz IV

Bei Erwerbsfähigkeit kann Hartz IV bezogen werden, auch wenn die Betroffene bis zu 6 Monaten wegen Kindesbetreuung oder der Pflege von Angehörigen nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht. Sie hat außerdem das Recht auf Arbeitsförderungsmaßnahmen, und Beiträge zur Sozialversicherung (allerdings geringe Beiträge; Kranken-, Pflegeversicherung; nur dann, wenn keine Familienversicherung besteht). Bislang waren diese Frauen meist Sozialhilfeempfängerinnen und damit weder rentenversichert noch krankenversichert. Und: Die meisten Sozialhilfeempfänger nach altem Recht waren weiblich. Außerdem liegen die Freibeträge etwas höher als bisher bei der Sozialhilfe.

Minuspunkte von Hartz IV

Durch die niedrigen Sozialversicherungsbeiträge droht Frauen weiterhin Altersarmut. Und für ehemalige arbeitslosenhilfeberechtigte Frauen besteht der Nachteil, dass für sie nicht mehr im bisherigen Umfang entsprechend der Arbeitslosenhilfe Beiträge gezahlt werden.

Ob ein Anspruch auf ALG II besteht, kann mittels des Hartz IV Rechners online ermittelt werden.