Steht mir Grundsicherung zu - außergewöhnliche Situation?

  • Hallo!

    Ich bin neu hier und es gibt eine Sache, die mich sehr beschäftigt und hoffe, dass man mir hier vielleicht weiterhelfen kann.

    Und zwar frage ich mich, ob mir überhaupt eine Grundsicherung bzw Sozialhilfe oder Hartz IV (ob und was mir davon eventuell zusteht weiß ich nicht. Mehr dazu später) zusteht, oder ob ich irgendwie durchs Raster falle.

    Im Moment bin ich gut versorgt, aber sorge mich um die Zukunft.

    Zu meiner Situation :

    Ich bin 23 Jahre alt und habe bisher noch nicht gearbeitet. Der Grund dafür ist, dass ich eine Form von Muskeldystrophie habe, die auch fortschreitend ist. Im Moment habe ich Pflegegrad 3 und werde von meinen Eltern gepflegt. Ich mache auch eine schulische Ausbildung, aber so, wie die Symptome in letzter Zeit fortgeschritten sind, werde ich sie eventuell nicht abschließen können.

    Ich kann nicht in die Zukunft blicken, aber ich gehe nicht davon aus, einen regulären Beruf zu haben. 3 Stunden täglich wären jetzt schon nicht mehr möglich. Weswegen es mit der Ausbildung auch schlecht aussieht.

    Ich weiß, dass ich ohne gearbeitet zu haben, keinen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente habe und vermutlich auch nicht auf Hartz IV.

    Vermögen muss aufgebraucht sein, ansonsten besteht kein Anspruch auf Grundsicherung.

    Mein einziges Einkommen ist mein Pflegegeld. Vermögen ist vorhanden und würde für ein paar Jahre reichen. Solange meine Eltern können versorgen sie mich auch.


    Nun zu meiner Sorge bzw Frage :


    Wenn etwas mit meinen Eltern sein sollte, könnte ich ein paar Jahre vom Vermögen leben - so weit, so gut.

    Ohne Einkommen wird es natürlich nicht ewig reichen und ich werde den Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten können.

    Unser Haus ist zu groß, um vom Amt akzeptiert zu werden. Warum ist es so groß? Es war so gedacht, dass ein Pfleger bei mir wohnen kann, wenn 24 Stunden Pflege nötig wird. Zusätzlich sind natürlich auch größere Räume nötig, um mit einem Elektrorollstuhl zurecht zu kommen.

    Und gebaut haben meine Eltern das Haus vor meiner Zeit.


    Vielleicht habe ich auch etwas falsch verstanden. Aber so wie ich es verstehe, müsste ich (natürlich) erst mein Vermögen aufbrauchen. Hätte dann aber wegen dem Haus dennoch keinen Anspruch.

    Müsste ich also das Haus verkaufen, mir etwas Kleineres suchen (das trotzdem rollstuhlgerecht), das restliche Geld davon verbrauchen und dann sozusagen erst Anspruch hätte, wenn ich absolut nichts mehr habe (außer Schonvermögen)?


    Bitte entschuldigt den halben Roman, aber diese Sache beschäftigt mich wirklich sehr. Ich möchte auch niemanden zu nahe treten oder undankbar wirken, weil es mir im Moment gut geht. Aber ich denke eben an die Zukunft und möchte so gut planen wie möglich, oder Anhaltspunkte haben.

    Ich verstehe die Regeln des Amtes schon, aber in dem Haus steckt so viel Geld - all die Umbauten für mich. Das, was mir das Leben erleichtern sollte dann genau der Grund, warum ich keinen Anspruch habe?


    Oder hätte vielleicht noch jemand eine Idee, was mir zustehen könnte bzw wie ich die Situation in Zukunft meistern könnte?

    Ich habe mir schon überlegt, nur noch bei Kerzenschein zu lesen, alle zwei Tage zu essen etc nur um Geld zu sparen, damit ich möglichst lange in unserem Haus bleiben könnte.

    Aber das ist natürlich auch keine Lösung.


    Liebe Grüße und schon mal vielen Dank für Antworten!

    :)

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  • Ich denke die Frage kommt etwas zu früh, wenn Du selbst sagst, dass Du aus Deinem Vermögen noch ein paar Jahre leben kannst.

    Was in ein paar Jahren ist, kann noch keiner sagen. In heutiger Zeit wäre es so, dass Du einen Antrag auf Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung nach Kap. 4 SGB XII stellen könntest. Der Sozialhilfeträger würde dann den Rententräger ersuchen eine Stellungnahme darüber abzugeben ob und wenn ja wie lange (unter 3 Stunden, 3-6 Stunden oder 8 Stunden am Tag) Du noch arbeiten kannst und ob bei einer Zeit unter 3 Stunden dies befristet oder auf Dauer so sein wird. Davon ausgehend, der Rententräger stellt eine Erwerbsfähigkeit unter 3 Stunden auf Dauer fest, wärest Du dem Grunde nach dem Personenkreis zuzurechnen, der Anspruch auf Leistungen nach Kap. 4 SGB XII haben könnte. Dann kommt die Einkommens- und Vermögensprüfung. Hier wäre es dann spannend. Wenn ein anrechenbares Gesamtvermögen unter 5000,00 € da ist, gehts weiter zu dem Haus. Hier heißt es in § 90 Abs. 2 Satz 1 "Die Sozialhilfe darf nicht abhängig gemacht werden vom Einsatz oder von der Verwertung...

    Nr. 8

    eines angemessenen Hausgrundstücks, das von der nachfragenden Person oder einer anderen in den §

    19 Abs. 1 bis 3 genannten Person allein oder zusammen mit Angehörigen ganz oder teilweise bewohnt

    wird und nach ihrem Tod von ihren Angehörigen bewohnt werden soll. Die Angemessenheit bestimmt sich

    nach der Zahl der Bewohner, dem Wohnbedarf (zum Beispiel behinderter, blinder oder pflegebedürftiger

    Menschen), der Grundstücksgröße, der Hausgröße, dem Zuschnitt und der Ausstattung des Wohngebäudes

    sowie dem Wert des Grundstücks einschließlich des Wohngebäudes,"


    Das bedeutet, hier muss eine Ermessensentscheidung getroffen werden. Aus den Gründen die Du im Hinblick auf Deine Behinderung angführt hast, könnte es durchaus sein, dass selbst ein großes Haus als angemessen zu bewerten ist.

    Aber bis dahin kann sich in Rechtsprechung und Gesetzen noch einiges ändern.

  • Vielen Dank für die Antwort! Das hat mich doch nun etwas beruhigt.

    Ja, das stimmt. Bis dahin können sich noch sehr viele Dinge ändern. Aber ich bin schon froh zu wissen, dass es zu einer Ermessensentscheidung kommen könnte und nicht, ohne den Einzelfall zu betrachten, sofort eine Entscheidung gefällt werden würde.