Umzug in ein anderes Bundesland bei Grundsicherung

  • Hallo zusammen,


    mir ist das Thema schrecklich unangenehm, aber ich bräuchte trotzdem etwas Hilfe bei der Beantwortung von ein paar Fragen, bevor ich mich an das zuständige Amt wende.


    Ich beziehe derzeit Grundsicherung. Die Bewilligung läuft noch bis Mitte 2020.


    Nach Jahren der Therapie bin ich nun so weit stabil, dass ich in ein neues Leben starten kann. Konkret heißt das, dass ich zu meiner Freundin ziehe, welche in einem anderen Bundesland wohnt. Nun stellen sich mir aber noch einige Fragen. Vielleicht könnt ihr mir dazu etwas sagen.


    Muss die Grundsicherung komplett neu bewilligt werden, oder ist die aktuelle Bewilligung weiterhin gültig? Muss ich nochmal durch das Märtyrium von amtsärztlichen Untersuchungen, Bescheinigungen und Gutachten?

    Wie genau gehe ich vor, damit die Fortzahlung der Grundsicherung reibungslos funktioniert? Welche Unterlagen (Mietvertrag, laufende Kosten etc) werden konkret benötigt?

    Meine Freundin verdient derzeit um die 1200€ brutto (vielleicht auch etwas mehr, irgendwo in dem Bereich jedenfalls). Wieviel wird davon angerechnet?


    Die ganzen Umstände belasten und verunsichern mich sehr und ich bin froh, wenn ich nicht mehr auf die Grundsicherung angewiesen bin. Meine Hoffnung ist, dass ich noch dieses Jahr oder allerspätestens bis zum Auslaufen der Bewilligung so weit arbeitsfähg bin, dass ich ohne Grundsicherung auskomme.


    Liebe Grüße,

    Hasifant

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  • Bei einem Umzug stellt der bisherige Grundsicherungsträger die Leistungen zum Umzugstermin ein und der neue Grundsicherungsträger bewilligt nahtlos, sofern die persönlichen bzw. finanziellen Voraussetzungen für eine Bewilligung weiterhin vorliegen.


    Wenn die dauerhafte Erwerbsminderung bereits bestätigt ist, wird dies nicht neu geprüft, sondern der neue Träger fordert die Akte oder Unterlagen mit deinem Einverständnis beim letzten Träger an. Dann kann sich das zukünftig zuständige Amt die relevanten Unterlagen kopieren.


    Grundsätzlich genießt man Freizügigkeit, d.h. jeder kann hinziehen, wohin er will. Aber wenn du z.B. eine Beihilfe für die Umzugskosten beantragen willst, muss geprüft werden, ob der Umzug aus sozialhilferechtlicher Sicht notwendig ist. Wenn du eine nachvollziehbare Begründung für den Umzug hast, bitte dem bisherigen Amt zusammen mit dem Antrag auf Umzugskosten schriftlich mitteilen. Das kann formlos geschehen, also ein Schreiben genügt. Wenn eine Notwendigkeit vorliegt, können notwendige Umzugskosten als Beihilfe bewilligt werden. Für die Kostenermittlung drei Kostenvoranschläge einreichen. Wird keine Notwendigkeit gesehen, kannst du immer noch umziehen, dann aber auf eigene Kosten.


    Vor dem Umzug in jedem Fall mit dem neuen Amt Kontakt aufnehmen und die für eine Bewilligung relevanten Unterlagen vorlegen (Perso, Kontoauszüge, Mietvertrag, Abschlag Heizkosten, Lohnbescheinigung der Freundin, eigene Einkommensnachweise, Versicherungen, etc.).

    Bei der Einkommensanrechnung der Freundin sind auch das Netto und ggf. weitere Angaben (Fahrkosten o.ä.) notwendig, um ausrechnen zu können, wie hoch ein Anrechnungsbetrag sein könnte.

  • Quote

    Bei einem Umzug stellt der bisherige Grundsicherungsträger die Leistungen zum Umzugstermin ein und der neue Grundsicherungsträger bewilligt nahtlos, sofern die persönlichen bzw. finanziellen Voraussetzungen für eine Bewilligung weiterhin vorliegen.


    Wenn die dauerhafte Erwerbsminderung bereits bestätigt ist, wird dies nicht neu geprüft, sondern der neue Träger fordert die Akte oder Unterlagen mit deinem Einverständnis beim letzten Träger an. Dann kann sich das zukünftig zuständige Amt die relevanten Unterlagen kopieren.

    Das klingt doch gut. Das nimmt mir etwas den Druck.


    Quote

    Aber wenn du z.B. eine Beihilfe für die Umzugskosten beantragen willst, muss geprüft werden, ob der Umzug aus sozialhilferechtlicher Sicht notwendig ist.

    Ich besitze nicht viel und noch viel weniger, was es sich zu behalten lohnen würde. Meine Freundin leiht sich das Auto von ihrem Vater. Mit einer Fahrt ist alles wichtige untergebracht. Alles andere kann ich nach und nach holen, da ich noch regelmäßig (zwei mal pro Quartal) zur psychosomatischen Grundversorgung bei meiner alten Therapeutin sein werde.

    Finanzielle Unterstützung ist nicht notwendig.


    Quote

    Vor dem Umzug in jedem Fall mit dem neuen Amt Kontakt aufnehmen und die für eine Bewilligung relevanten Unterlagen vorlegen (Perso, Kontoauszüge, Mietvertrag, Abschlag Heizkosten, Lohnbescheinigung der Freundin, eigene Einkommensnachweise, Versicherungen, etc.).

    Uff, an einiges davon hätte ich spontan nicht gedacht.

    Von wievielen der letzten Monate werden Kontoauszüge benötigt?


    Quote

    Bei der Einkommensanrechnung der Freundin sind auch das Netto und ggf. weitere Angaben (Fahrkosten o.ä.) notwendig, um ausrechnen zu können, wie hoch ein Anrechnungsbetrag sein könnte.

    Fahrtkosten gibt es keine. Die genauen Zahlen habe ich gerade nicht im Kopf, aber das schaue ich dann bei Gelegenheit nach.


    Muss ich zum alten Amt und mich dort abmelden, oder übernimmt das alte Amt da die Korrespondenz?


    Puh. Ich ziehe zum ersten Mal um, deswegen ist das alles ziemlich aufreibend. :|

  • Kontoauszüge der letzten 3 Monate und, sollte eigentlich selbstverständlich sein, lückenlos.


    Auch wenn keine Umzugskosten benötigt werden, würde ich mich beim jetzigen Grundsicherungsamt rechtzeitig abmelden, so dass die Leistungen auch noch ordnungsgemäß eingestellt werden können und keine Überzahlung entsteht. Vielleicht kann man das auch telefonisch machen. Denen die neue Adresse mitteilen, damit der Einstellungsbescheid auch zugestellt werden kann, falls die den nicht direkt ausstellen können. Den Einstellungsbescheid legt man dann auch dem neuen Träger vor.


    Nicht vergessen: Beim Einwohnermeldeamt des neuen Wohnortes anmelden, die machen dann die Abmeldung beim vorherigen Einwohnermeldeamt.


    Mit dem Lohn muss die Freundin ja auch erst mal den eigenen Bedarf decken, also anteilige Miete, Belastungen, ihren eigenen Lebensunterhalt, etc.

    Bereinigt wird ihr Einkommen nach den Vorschriften des SGB II, weil sie ja erwerbsfähig und -tätig ist. Und nur, wenn ihr individueller Bedarf mit dem Einkommen gedeckt ist, ist der Restbetrag bei dir anzurechnen.


    Wird noch Kindergeld für dich gezahlt?

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    Kontoauszüge der letzten 3 Monate und, sollte eigentlich selbstverständlich sein, lückenlos.

    Alles klar. Sollten alle vorhanden sein.


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    Auch wenn keine Umzugskosten benötigt werden, würde ich mich beim jetzigen Grundsicherungsamt rechtzeitig abmelden, so dass die Leistungen auch noch ordnungsgemäß eingestellt werden können und keine Überzahlung entsteht. Vielleicht kann man das auch telefonisch machen. Denen die neue Adresse mitteilen, damit der Einstellungsbescheid auch zugestellt werden kann, falls die den nicht direkt ausstellen können. Den Einstellungsbescheid legt man dann auch dem neuen Träger vor.

    Ich melde mich also erst am alten Wohnort ab und gehe mit dem Bescheid dann zum zuständigen Amt im neuen Wohnort. Klingt simpel genug.


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    Nicht vergessen: Beim Einwohnermeldeamt des neuen Wohnortes anmelden, die machen dann die Abmeldung beim vorherigen Einwohnermeldeamt.

    Kann ich das ohne Absprache mit dem Amt machen? Die Unterlagen zur Ummeldung hat meine Freundin schon besorgt.


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    Mit dem Lohn muss die Freundin ja auch erst mal den eigenen Bedarf decken, also anteilige Miete, Belastungen, ihren eigenen Lebensunterhalt, etc.

    Bereinigt wird ihr Einkommen nach den Vorschriften des SGB II, weil sie ja erwerbsfähig und -tätig ist. Und nur, wenn ihr individueller Bedarf mit dem Einkommen gedeckt ist, ist der Restbetrag bei dir anzurechnen.

    Puh, keine Ahnung, was da übrig bleibt. Ich warte ab, was das Amt da berechnet.


    Quote

    Wird noch Kindergeld für dich gezahlt?

    Ähm, nein. Ich werde im Juni 39 Jahre alt, so traurig es sich anhört. Die letzten Jahre waren ziemlich ... "schwierig", ohne da näher drauf eingehen zu wollen.