Grundsicherung nach SGB XII und 450 € Minijob?

  • Hallo,


    ich bekomme seit mehr als 15 Jahren Grundsicherung wegen dauerhafter Erwerbsminderung und bin noch keine 40 , da aber viele Kosten(die stetig steigen) anfallen aufgrund meiner Erkrankung wie Fahrtkosten zu Ärzten und zusätzliche Therapien, die weder von der Grundsicherung noch von der Krankenkasse übernommen werden, bin ich am überlegen einen Minijob anzunehmen. Darf ich das überhaupt oder wird mir die Grusi gestrichen? Kann mir jemand sagen wie viel von den 450 € übrig bleiben? Ich habe beim Sozialamt nachgefragt und die haben gesagt das mir die vollen 450 € abgezogen werden, ist das korrekt? Dann bringt mir das ja nichts! Wie ist das mit der Krankenversicherung zahlt die das Sozialamt weiterhin oder muss ich mich dann selber freiwillig versichern? Was ist wenn ich nach einiger Zeit den Job nicht mehr habe erhalte ich dann wieder die volle Grusi ? Ich habe Angst, dass das Sozialamt sagt wenn ich einmal gearbeitet habe, das ich dann auch in Zukunft arbeiten kann. Ich möchte nur wissen ob mit durch den Minijob Nachteile entstehen und ich am Ende arbeite und weniger Geld habe als nur mit der Grusi?


    LG Marlen78

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  • Im Minijobbereich ist für Erwerbsgeminderte meistens die Aufwandsentschädigung aus dem Ehrenamt die rundere Lösung. Hier gibt es einen betragsmäßigen Freibetrag, der bis 200 Euro gehen kann. Das ist z.B. mit ein paar recht entspannten Stunden Altenbetreuung, Kinder sitten, Essen auf Rädern fahren oder im Sportverein als Trainer mitwirken etc. oft umsetzbar.


    Bei Arbeitslohn sind grds. 30 Prozent des Einkommenshöchstens50 Prozent der Regelbedarfsstufe 1 frei.

  • Vielen Dank für die schnelle Antwort! Da bleibt ja fast nichts übrig. Das Ding ist ich hätte in meinem Dorf die Möglichkeit einen Minijob zu bekommen, da ich nur kurze Strecken mit dem Auto fahren kann wäre das die einzige Möglichkeit. Und der Job würde mir viel Spaß machen ich verstehe mich mit den Leuten super. Ein Ehrenamt wäre nur in der nächst größeren Stadt möglich, zu weit weg für mich. Es heist also bei einem Regelsatz von 400€ könnte ich von den 450€ 60€ behalten? Und kann mir jemand sagen wie das mit der Krankenversicherung ist, übernimmt die das Sozialamt weiter oder kommen da auch noch Kosten auf mich zu?

  • 30 % von 450€ sind nach meinem Taschenrechner 135€


    Achtung, pro Arbeitstag im Minijob dürfen als EMler nur 2:59 Std (unter 3 Stunden) gearbeitet werden!


    Die KV zahlt weiterhin das Sozialamt!


    Bist du EM mit oder ohne Rentenbezug?

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  • Ja klar 135€ weis nicht wie ich auf 60€ komme. Ich hatte ja mit meinem Bearbeiter beim Amt gesprochen und der hat mir gesagt das mir die vollen 450€ abgezogen werden. Deshalb habe ich mich hier im Forum angemeldet um mal nach zufragen.
    Ich habe keinen Rentenbezug nur Grusi. Musste meine Ausbildung abbrechen aufgrund meiner Erkrankung und von da nur noch OP´s, Krankenhäuser .... daher habe nicht genug in die Rentenkasse eingezahlt und keinen Anspruch. Ich mache mir Sorgen, wie das alles wird wenn ich das Rentenalter(Altersrente) erreicht habe, ich werde ja nie aus der Grusi rauskommen. Noch unterstützen mich meine Eltern finanziell, all die Fahrkosten zu Ärzten und Therapien und Versicherung für Auto usw. wenn ich das alles von der Grusi zahlen müsste würde am Ende nichts bleiben.

  • Ich würde gern noch wissen ob ich wenn ich später mal keinen Minijob mehr hätte, dann wieder ohne weiteres die volle Grusi bekomme? Oder werde ich dann dazu angehalten mir wieder einen Minijob zu suchen?

  • da aber viele Kosten(die stetig steigen) anfallen aufgrund meiner Erkrankung wie Fahrtkosten zu Ärzten und zusätzliche Therapien, die weder von der Grundsicherung noch von der Krankenkasse übernommen werden, bin ich am überlegen einen Minijob anzunehmen.

    Das ist in der Tat leider so. Es könnte aber eine kleine Löung bzgl der Fahrtkosten geben.


    § 27a SGB XII bietet die Möglichkeit, den Regelbedaf zu erhöhen, wenn Du mit außergewöhnlichen Kosten belastet bist. Das ist bei so genannten Substitutionspatienten zB so: Die müssen jeden Tag zum Arzt, um ihr Medikament zu bekommen, dass nur der Arzt verabreichen darf. Ein solcher Aufwand bzgl. der Mobilitätskosten wurde bei der Zusammensetzung des Regelsatzes aber nicht berücksichtigt. Deshalb erhalten diese Patienten die erhöhten Fahrtkosten, die über den ANteil am Regelsatz hinausgehen, als individuellen Bedarf anerkannt. Meist ist das der Mehrpreis für die Monatskarte. (Da Du - warum auh immer - einen Pkw nutzt, wird es in Deinem Fall aber eher schwierig, eine solche Lösung zu finden.)


    Ich würde gern noch wissen ob ich wenn ich später mal keinen Minijob mehr hätte, dann wieder ohne weiteres die volle Grusi bekomme? Oder werde ich dann dazu angehalten mir wieder einen Minijob zu suchen?

    Du bist voll erwerbsgemindert. Du kannst daher nach Belieben darüber entscheiden, ob DU arbeitest oder nicht. Sobald das Erwerbseinkommen wegfällt, erhöht sich die der Leistungsbetrag aus der Grundsicherung wieder.


    Übrigens: Von Deinem Erwerbseinkommen kannst Du die Aufwendungen, die mit der Erzielung des Einkommens verbunden sind, vom EInkommen abziehen.Also zB FAhrtkosten, Arbeitskleidung usw. Von dem verbleibenden Rest werden dann die 30 Prozent nicht auf Deinen Bedarf als Einkommen angerechnet.


    Gruß
    Pauliensche

  • Vielen Dank für die hilfreichen Antworten!


    Es ist so, ich habe einen Pkw um überhaupt irgendwo hin zu kommen, wohne in einem 100 Einwohner Dorf wo morgens eine Bus raus fährt und spät Abends einer rein, das war es. Ich kann auch nur kurze Strecken mit dem Auto fahren max. 20 km. Ich muss einmal im Monat zu einem Arzt um meine Schmerzpumpe auffüllen zu lassen, das ist jedesmal eine Strecke von 240 km (Hin und Zurück). Meine behandelnden Orthopäden und Schmerztherapeuten sind auch nicht um die Ecke auch mehrmals monatlich eine Strecke (einfach) von ca. 90 km. Die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmittel ist sehr schlecht so das ich fast 6 Stunden brauchen würde für eine Tour und meine Gehbehinderung macht die Sache nicht einfacher. Irgendjemand aus Freundes-oder Familienkreis muss sich dann immer frei nehmen um mich zu fahren und da wird dann immer mein Pkw benutzt.Am Anfang bin ich immer mit Taxi gefahren und das hatte alles die Krankenkasse bezahlt ,bis es dort zu Änderungen kam und sie das nicht mehr übernommen haben. Leider bin ich auf die Füllung der Pumpe angewiesen und es ist lebensnotwendig, ich habe jetzt immer öfter das Problem das meine Leute nur noch schwer frei bekommen und ich schon ab und an ein Taxi nehmen musste, dafür geht dann über die Hälfte meiner Grusi drauf, manche Monate reicht es nicht mal für all die Kosten, dann leihe ich mir Geld. Deshalb möchte ich auf jeden Fall diesen Minijob machen, ich weis es ist nur ein Tropfen auf den heisen Stein. Aber eine andere Lösung sehe ich im Moment nicht. Wie ist das eigentlich mit dem Kindergeld , meine Mutter erhält das ja für mich und deckt damit auch solche Kosten. Da gibt es ja eine Freigrenze, wenn man mit dem Einkommen drüber liegt fällt es weg. Nun meine Angst, das ich mit dem Minijob drüber liege und es gestrichen wird. Ist das der Fall bringt mir die ganze Aktion gar nichts und ich habe weniger Geld als jetzt. Kennt sich jemand aus mit Kindergeld bei Behinderung und ab wann es weg fällt.


    LG marlen78

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  • Du brauchst eine komplexere Sozialberatung - meiner Einschätzung nach sollte sich mal Jemand die gesamte Situation genauer anschauen.


    Das ist keine Frage von Grundsicherung allein. Du dürftest z.B. auch Schwerbehindertenstatus haben, was im Hinblick auf Mobilitätsbeihilfen viel ausmachen kann. Ebenso mit der Begleitung auf Fahrten und den Behandlungskosten. Entweder sie sind medizinisch wie rechtlich notwendig - oder eben nicht. Sind sie notwendig, gibt es üblicherweise auch eine Stelle, die die Kosten trägt. Sind sie es rechtlich nicht, bedeutet es gleichzeitig, dass es ein kostengünstigeres Alternativverhalten gibt. Ein neues Pflegerecht mit neuen Pflegestufen haben wir auch frisch bekommen usw.


    Genauso sieht es mit den Strecken zu den Ärzten aus. Es gibt nicht viele Gegenden in Deutschland, wo man auch nur ansatzweise 120 Kilometer bis zur nächsten Klinik, die eine Schmerzpumpe auffüllen kann, fahren muss. Das klingt danach, als gehöre hier alles mal von dritter Seite her abgeklopft.

  • Das Ding ist das die Schmerzpumpe ein ziemlich veraltetes Exemplar ist und diese kann nur vom Arzt gefüllt werden der sie implantiert hat. Ich habe schon mehrere Ärzte( waren aber auch nicht viel näher dran) es versuchen lassen nach 40 x pieken oder falschen Port erwischt usw. haben sie es abgelehnt bzw. mir war das Risiko zu hoch. Bei einer elektronischen Pumpe wäre es kein Problem einen Arzt etwas näher zu finden. Da ich regelmäßig in Schmerzkliniken bin habe ich auch dort immer eine Sozialarbeiterin. In unserer Gegend gibt es leider sehr wenige Ärzte so muss man selbst um einen guten Orthopäden zu finden locker 50 km fahren, spezielle Fachärzte fehlen komplett .Die Ärzte sind so überlastet das sie keine neuen Patienten annehmen bzw. bei einem Orthopäden war ich Jahre lang in Behandlung bis was schief lief und nun bekomme ich immer sofort eine Überweisung zum Neurochirurgen (120km weit weg) oder in die Schmerzklinik, er selbst behandelt mich nicht mehr egal auch wenn es nur eine Blockade ist. Oft fragt er nicht mal was ich habe, bei dem bin zwar nicht mehr hatte ne Zeit lang einen in ca. 50 km Entfernung der war gut, behandelt aber seit Jahren nur noch Privatpatienten, und jetzt fahre ich halt knapp 90 km. Und diese Orthopädin hat viele Patienten aus meiner Gegend. In der einzigen Klinik ca. 40 km entfernt gibt es keine ambulante Behandlung zwecks Schmerzpumpe es werden auch dort keine implantiert, es sind alles Klinikärzte, selbst auf einen MRT Termin muss ich fast 3 Monate warten oder viel weiter fahren.
    Medizinisch und rechtlich sind die Behandlungen notwendig und ich habe auch ein Gutachten das bescheinigt das ich zu diesem Arzt muss wegen der Pumpe, aber es nützt alles nichts egal wo ich mich hin wende jeder schiebt es auf den anderen und keiner trägt die Kosten. Ich könnte ein Buch schreiben was ich schon alles versucht habe. Selbst wenn mein Arzt in Urlaub geht, dann wird die Pumpe halt früher gefüllt und wenn es statt nach 4 Wochen nach einer Woche ist, ist egal. Und wenn ich in der Schmerzklinik bin kommt er dort hin um die Pumpe zu füllen. Selbst die füllen diese Pumpen nicht.
    Bei längeren Strecken fällt es mir halt schwer mich zu konzentrieren auf den Straßenverkehr und ich habe Probleme mit dem langen Sitzen und durch Spritzen beim Arzt werde ich sehr müde und könnte nicht zurück fahren. Für mich sind schon 25 km viel. Der Minijob ist nicht anspruchsvoll und ich kann so arbeiten wie es gesundheitlich geht, wenn es mal nicht geht ist das ok. Und es ist ein Versuch und ich brauche das Geld.
    Ich habe als Merkzeichen G, beantragt habe ich noch nie ne Pflegestufe, da die Ärzte sagen es bringt nichts.

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  • Hallo!


    die sog. "Jammerforen" sind zwar hier nicht beliebt und ich werde auch nur kurz zitieren, jedoch gilt folgendes min. für den SGB II-Bereich. Ob es auch für dich analog berechtigt ist, können die Fachleute hier sicherlich sagen :-)


    Also zunächst folgendes :

    Fahrtkosten zur ambulanten Therapie, die von der Krankenversicherung
    nicht übernommen werden, sind nicht vom Grundsicherungsträger zu
    erstatten ( Sächs. LSG, Beschluss vom 25.09.2013, Az.: L 7 AS 83/12 NZB )



    a. A. aktuell:



    Übernahme der Fahrtkosten als Mehrbedarf nach § 21 Abs. 6 SGB II, wenn
    bei einem über den Regelsatzanteil für Mobilität hinausgehenden
    Mehrbedarf in Höhe von ca. 8 - 9 % des Regelsatzes die "Bagatellgrenze"
    überschritten und eine weitere Umschichtung des Regelsatzes nicht
    zumutbar ist, denn Einsparmöglichkeiten sind nicht dauerhaft gegeben.



    SG Dresden, Urteil v. 12.12.2016 - S 3 AS 5728/14 - Jobcenter muss
    außergewöhnliche Fahrtkosten zu Therapie erstatten - für einem über den
    Regelsatzanteil hinausgehenden Mehrbedarf in Höhe von ca. 8 % des
    Regelsatzes


    Das bedeutet zunächst nix anderes, dass es also umstritten ist, dass aber das NEUERE Urteil den Mehrbedarf beFÜRwortet!


    Aufgrund dessen schrieb im weiteren Verlauf eine dort mitschreibende Mitarbeiterin eines Sozialamtes :


    ....da die meisten Fahrtkosten keine Leistungen der Krankenkasse sind trifft der § halt gerade nicht zu. Wir zahlen über § 27 a Abs. 4 oder 73......



    Was nun daraus folgt? Naja, zunächst ist eine etwaige Zuständigkeit deiner Krankenkasse auf Übernahme der (attestierten) Fahrtkosten zu stellen. Wenn diese (schriftlich) ablehnt, ab zum Grusiamt und dann dort Mehrbedarfantrag stellen und dafür das Dresdener Urteil mit anführen! Abhängig von der Schnelligkeit deiner KK könntest du auch (fristwahrend) parallel bei Grusi und KK den Antrag stellen. Früher ginge sowas und man konnte dann beim Amt den Antrag zur Entscheidung ruhend stellen, bis die andere Stelle ablehnte. Ob das heute auch so ist, werden dir die Spezies hier sicherlich verraten :-)


    So würde ich vorgehen und deinen Nebenjob kannst du ja immer noch machen, nur dass du dann das Geld nicht zwingend vielleicht für diese Mehrausgaben hergeben musst.



    Viel Erfolg wünscht,



    little