Ich fühle mich vom Arbeitgeber belästigt. Darf ich kündigen, ohne Sanktionen befürchten zu müssen?

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Ich fühle mich vom Arbeitgeber belästigt. Darf ich kündigen, ohne Sanktionen befürchten zu müssen?

      Liebe Community,

      ich (47/w) habe mich heute hier angemeldet, weil ich Probleme mit meinem Arbeitgeber habe und am liebsten kündigen würde.

      Ich beziehe seit fast zwei Jahren ALG II. In meinem erlernten Beruf kann und möchte ich nicht mehr arbeiten. Daher machte ich im letzten Jahr einige Monate eine Weiterbildung und möchte mich neu orientieren. Leider habe ich bisher keinen Job gefunden trotz mehrmaligen Probearbeitens.
      Ich suchte also erst einmal nach einem Minijob, um die Zeit bis zu einem geeigneten Arbeitsplatz zu überbrücken. Seit Juni arbeite ich an drei Abenden pro Woche als Reiniungskraft in einem sehr kleinen Unternehmen.Wenn ich dort putze, ist teilweise noch der Chef (Mitte 60) anwesend.
      Zuerst erschien er mir aufgeschlossen und freundlich und ich fand es normal, dass er mir Fragen stellte, ob ich verheiratet sei und Kinder habe (ich bin ledig und kinderlos).

      Doch irgendwann wurde er indiskret und fragte mich nach Männerbekanntschaften. Von ihm erfuhr ich, dass er verwitwet ist. Er erwähnte recht freizügig das immer aktive Sexualleben mit seiner verstorbenen Frau, wie wichtig Treue für ihn gewesen sei und dass ihm jetzt nicht der Sex, sondern Liebe fehle. In dem Zusammenhang wollte er von mir wissen, wieso eine hübsche Frau wie ich keinen passenden Partner gefunden habe.
      Ich war sehr irritiert und reagierte und antwortete nur ausweichend.
      Als etwas später wieder das Thema aufkam bezüglich Heirat und Beibehalten des Mädchennamens und ich ziemlich genervt antwortete, sagte er sehr ungehalten, dass das jetzt kein Grund sei, zickig zu werden. Doch ich hatte die Hoffnung, dass er es jetzt begriffen hatte und sich zurücknehmen würde.

      Verstanden hat er es wohl ein bisschen, doch es wurde unangenehmer für mich. Denn er begann, meine Arbeit sehr unsachlich zu kritisieren und im Anschluss daran erfolgte oft ein Kompliment, dass ich gut aussehe und im schönsten Frauenalter sei. Natürlich bedankte ich mich auch nie für seine Komplimente, sondern ignorierte sie.
      Letzte Woche zeigte er mir Fotos von seinem Ferienhaus und im Anschluss daran kam er schon wieder auf das Thema Beziehungen zu sprechen. Viele jüngere würden sich ja heutzutage über das Internet kennenlernen. Er wollte wissen, ob ich bei facebook angemeldet sei, was ich gleich verneinte.
      Auch gestern wurde ich wieder komisch von ihm angesprochen. Er kam auf mich zu und meinte, seine Augen seien in den letzten Wochen schlechter geworden. Ob ich auch Probleme damit habe. Ich antwortete nur, dass meine Augen auch nicht mehr gut seien. Woraufhin seine Antwort war, das könne ja nicht sein, denn ich sei doch im besten Frauenalter. Dabei tätschelte er mir den Arm. Als er ging, sagte er noch, dass ich aber sicherlich hübsche Männer noch gut sehen könne.

      Ich finde seine ständigen Anspielungen und "Komplimente" widerlich.
      Nachdem er gestern meinen Arm getätschelt hat, habe ich jetzt außerdem die Befürchtung, dass er körperlich übergriffig werden könnte.
      Schließlich bin ich abends allein mit ihm im Büro.

      Ich würde gern kündigen, nur wäre das von mir geschilderte ein Grund?
      Oder müsste ich damit rechnen, vom Jobcenter sanktioniert zu werden, weil ja noch nichts schlimmes vorgefallen ist?

      Gruß,
      Stavodite
    • Ich fürchte, da du a) nur persönliche Befindlichkeiten vorträgst, die im Übrigen rein subjektiv sind und b) solche Unterstellungen sogar u. U. strafrechtlichen Charakter haben könnten (üble Nachrede gegenüber dem Chef, der garantiert angehört wird zu den Vorwürfen), geht der Schuss klar nach hinten los.
      Es ist nicht nötig (und noch dazu regelwidrig!), mir eine PN zu schreiben, weil eine Verwarnung erfolgte, ein Beitrag oder Thread gelöscht oder ein Thread geschlossen wurde. Wenn dies geschah, hatte es einen entsprechenden Grund. Ich verweise insoweit auf die Regeln des Forums: Forenregeln.
    • Also so harmlos sehe ich die Gespräche des Chefs hier nicht, es ist m.E. schon eine Vorstufe zur sexuellen Belästigung. Vor allem da er immer weiter auf dem Thema RUMREITET, obwohl ihm schon klar gemacht wurde es doch bitte zu lassen.
      Ich würde mit Kolleginnen solche Gespräche nicht führen, vor allem wenn mir gesagt wurde, dass das Thema ungewünscht ist.

      Allerdings würde ich an der Stelle der TE nicht kündigen sondern dem Chef nochmal eindeutig und klar sagen, dass solche Gespräche nicht gewünscht sind und man sich auch entsprechende Komplimente verbittet.

      Entweder es hört dann auf, oder der Chef kündigt einen. Wenn es weiter geht würde ich ein schriftliches Protokoll darüber führen mit genauen Wortlaut und dann ggf. selber kündigen.
      Bei Sanktionen würde ich entsprechende Hilfe suchen, z.B. Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt o.ä.
    • @Stavodite Schau' dir bitte den Leitfaden der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zum Thema der sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz an:
      antidiskriminierungsstelle.de/…_blob=publicationFile&v=9

      Zur weiteren Beratung steht die Antidiskriminierungsstelle auch telefonisch zur Verfügung: 030/185551865


      Du kannst ebenfalls schauen, ob es eine Beratungsstelle in deiner Nähe gibt: antidiskriminierungsstelle.de/…ngsstellensuche_node.html
    • Danke für eure Antworten.
      Ich bin froh, dass ihr mein Problem ernst nehmt, denn noch ist es ja "nur" die Vorstufe zur sexuellen Belästigung.

      @ yamato

      Bisher habe ich dem Chef vielleicht nicht deutlich genug signalisiert, dass ich solche Gespräche und Komplimente nicht möchte. Ich habe es ihm nur durch einsilbibe Antworten und Ignorieren seiner Komplimente gezeigt, was möglicherweise nicht gereicht hat.
      Ich müsste selbstsicherer auftreten und ihm sagen, dass er mich einfach meine Arbeit machen lassen soll. Doch bisher fehlte mir der Mut, weil er sehr rigoros reagiert, wenn nicht alles so läuft, wie er sich das vorstellt. Nur wenn er mir kündigen würde, wäre es ja kein Weltuntergang, da es sich nur um einen Minijob handelt.
      Die Idee mit dem schriflichen Protokoll finde ich auch gut.

      @ Idiotenwiese

      Danke für die Links zu Antidiskriminierungsstellen.
      Dort werde ich mich auch mal erkundigen, wie ich weiter vorgehen kann.

      Ich gehe inzwischen zwar nicht mit Angst zur Arbeit, aber mit großer Anspannung. Denn ich kann ja nicht sicher sein, ob es "nur" bei Anspielungen bleiben wird oder ob sich der Chef auch mal mehr rausnehmen wird.
    • Stavodite schrieb:

      Bisher habe ich dem Chef vielleicht nicht deutlich genug signalisiert, dass ich solche Gespräche und Komplimente nicht möchte. Ich habe es ihm nur durch einsilbibe Antworten und Ignorieren seiner Komplimente gezeigt, was möglicherweise nicht gereicht hat.

      Es ist sicher gut, wenn du es ihm noch einmal ausdrücklich klar machst.

      Allerdings ist das auch nicht deine Verantwortung. Wenn eine "Anmache" oder ein Flirtversuch nicht erwidert wird, hat man seine Absichten einzustellen. Du solltest dir also nicht zum Vorwurf machen, dass dein Chef nicht kapiert, was angemessenes Verhalten ist und was nicht.
    • Hallo,

      ich habe bisher nichts unternommen, weil sich mein Chef in den vergangenen Wochen recht unauffällig verhalten hat. Meine Hoffnung war, dass er selbst bemerkt hat, dass seine Sprüche unangemessen waren.
      Doch diese Woche gab sein Verhalten mir wieder Anlass, mich über ihn zu ärgern.

      Am Montag befragte er mich zu meinen Wohnverhältnissen. Er wollte wissen, wo genau ich wohne, wie lange ich zu Fuß für den Arbeitsweg benötige, welche Etage, ob ich Balkon oder Terrasse habe. Keine Ahnung, was das sollte. Ich habe jedenfalls nur ganz kurz geantwortet.

      Am Donnerstag sprach er in ein paar Sätzen über seinen stressigen Tag und verabschiedete sich dann. Ging rauf in seine Wohnung, die über den Büroräumen liegt. Etwas später brachte ich den Staubsauger nach oben. Er steht immer im Treppenhaus in der Nähe der Wohnungstür des Chefs. Als ich gerade wieder runterzugehen wollte, hörte ich, dass die Tür aufging. Ich beeilte mich, die Treppe runterzukommen und meinte, aus dem Augenwinkel gesehen zu haben, dass er irgendwas draußen abstellte. Dann sagte der Chef laut "tschüss". Ich drehte mich kurz um, und da stand er mit nacktem Oberkörper. Dabei lachte er verlegen (wenn ich das richtig interpretiert habe!). Vielleicht war er überrascht, dass ich auf der Treppe war. Natürlich kann ich aber nicht wissen, ob es nicht Absicht war, dass er sich so zeigte.

      Wäre es eine gute Lösung, mich krankschreiben zu lassen bis ich dann sicherlich bald die Kündigung bekomme?
      Nach diesen Vorfällen fühle ich mich jetzt wieder sehr unwohl!

      Gruß,
      Stavodite
    • Vielleicht versuchst du es mit einfacher und normaler Konversation, ohne gleich den großen Hammer "sexuelle Belästigung" zu schwingen.

      Ich habe hier mehr den Eindruck du interpretierst mehr, als das du wirklich was weißt. Eine Frage auch, wie ist deine Eigenwahrnehmung, hältst du dich für so unattraktiv oder bist du allgemein gegen Männer voreingenommen eingestellt?

      Hast du die Möglichkeit in Erwägung gezogen das er dich ernsthaft umwerfend findet und vielleicht nur den Kontakt sucht. Wenn du ihn offen ansprechen würdest und im sagst das du kein Interesse hast, kann sich sowas recht schnell regeln.

      Nicht jeder Mann der sich beim Flirten ungeschickt anstellt, ist ein potentieller Triebtäter.
    • Dreimal beim Smalltalk vom neuen Freund vorgeschwärmt und Ruhe ist. Vielleicht ein wenig selbstsicherer auftreten.
      Es ist nicht nötig (und noch dazu regelwidrig!), mir eine PN zu schreiben, weil eine Verwarnung erfolgte, ein Beitrag oder Thread gelöscht oder ein Thread geschlossen wurde. Wenn dies geschah, hatte es einen entsprechenden Grund. Ich verweise insoweit auf die Regeln des Forums: Forenregeln.

    Impressum

    Datenschutz

    Ein Angebot des Vereins "Für soziales Leben e.V."