26 Jahre, Schwerbehinderung, erste eigene Wohnung, welche Unterstützungen gibt es? Wird Einkommen der Eltern angerechnet?

  • Hallo,


    ich habe dieses Forum bei Recherchen zum Thema Hartz 4 entdeckt und finde es sehr hilfeich.
    Trotzdem bin ich so neu auf diesem Gebiet, dass ich glaube ich, einfach mal fragen muss.
    Ich hoffe, ich habe die richtige Rubrik gewählt, wenn nicht, bitte verschieben.


    Ich kümmere mich um einen jungen Mann zur Zeit 25 Jahre alt, der schwerbehindert ist, GdB 70%, ich bin der Patenonkel,
    Es handelt sich um eine Behinderung im psychischen Bereich (Autismus).


    Dieser junge Mann macht zur Zeit eine Reha Ausbildung integrativ in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung, die von der Arge getragen wird. Er wohnt dort in einem Internat.
    Er bekommt keine Ausbildungsvergütung. Ausbildungsgeld (ABG) bekommt er auch nicht, da sein Vater zu viel verdient.


    Nächstes Jahr wird er mit der Ausbildung fertig und muss das Internat verlassen.
    Das Internat hat ihm in seiner persönlichen Entwicklung sehr geholfen.
    Um diese gute Entwicklung fortzusetzen, fände ich und auch die behandelnden Ärzte es sinnvoll, dass er nach der Ausbildung in eine eigene Wohnung zieht.


    Es gibt extra für Autisten ambulant betreutes Wohnen, dies habe ich alles schon abgeklärt.
    Die Unterstützung beim ambulant betreuten Wohnen wird über die Eingliederungshilfe nach dem
    SGB XII übernommen.


    Er müsste sich dann mit meiner Hilfe eine kleine Wohnung suchen und dort einziehen.


    Vermutlich wird er nach der Ausbildung erst mal keinen Arbeitsplatz finden. Eventuell kann man ihn in einer Werkstatt für Behinderte unterbringen.
    Der junge Mann ist vermögenslos, hat noch nie in seinem Leben Geld verdient.


    So dies die Vorgeschichte, nun die Fragen:


    Ich muss ja mit ihm etwas planen, wie es weiter geht, deshalb muss ich nun wissen, welche finanziellen Möglichkeiten er haben wird.
    Wenn er in einer Werkstatt für Behinderte arbeitet, verdient er ja auch nicht viel, durchschnittlich 180€ im Monat.


    Welche Unterstützung vom Staat kann er bekommen?


    Mietkosten/Nebenkosten/Unterstützung für den Lebensunterhalt?


    Spielt das relativ hohe Einkommen/Vermögen der Eltern dabei eine Rolle, sprich muss das noch irgendwie angerechnet werden, bzw. müssen ihn die Eltern noch (weiter) unterstützen?


    Ich weiß, es ist lange geworden. Vielen Dank fürs lesen. Ich hoffe auf Tipps. Danke.


    Viele Grüße
    vom unwissenden Onkel

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  • Wenn er dem Grunde nach arbeitsfähig ist (mindestens 3 Stunden täglich) dürfte er Anspruch auf AlG2 haben. Da er dann das 25.Lebensjahr vollendet hat dürfte er Anspruch auf Regelbedarf und angemessene
    Unterkunftskosten haben. Sobald er AlG2 bezieht kann das Jobcenter nicht an die Eltern herantreten, da dies bei volljährigen Kinder ab 25 Jahren ausgeschlossen ist (§ 33 Abs. 2 SGB II)


    Das JC unterstützt ihn dann auch bei der Suche nach Arbeitsstellen.



    Welche "Arge" trägt die Kosten der Rehaausbildung ?

  • Mensch seid ihr schnell hier.
    Vielen Dank.


    Dem Grunde nach arbeitsfähig ist er sicherlich, sonst hätte er ja auch die Ausbildung bisher nicht geschafft. Der Autismus macht nur die Jobsuche sehr schwierig, da eben die Kommunikation nicht so gut klappt.
    Es wird nur mit ja oder nein geantwortet, das finden die Chefs immer nicht so toll, deshalb hat er auch keinen normalen Ausbildungsplatz gefunden, trotz ordentlicher mittlerer Reife.


    Für ihn ist die Arge Bochum zuständig.
    Ist das denn bei jeder Arge anders?
    Von der Rehaabteilung der Arge Bochum habe ich eigentlich einen guten Eindruck, war immer bei den Gesprächen dabei.


    Gruß vom Onkel ;-)

  • Hallo, unwissender Onkel!


    Das mit den drei Stunden Arbeitsfähigkeit ist nur die halbe Wahrheit.


    Voll erwerbsgemindert sind nämlich auch Versicherte nach § 1 Satz 1 Nr. 2 sgb VI, die wegen Art oder Schwere der Behinderung nicht auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt tätig sein können --> § 43 Abs. 2 Satz 3 Nr 1 SGB VI, so genannte gesetzliche Fiktion der vollen Erwerbsminderung.


    Wenn Dein Neffe nun in einer Werkstatt für behinderte Menschen unterkommt, greift diese gesetzliche Fiktion. Er hat dann Anspruch auf Grundsicherung nach dem Vierten Kapitel des SGB XII. Siehe § 45 SGB XII. Die Werkstätten sind der Auffassung, dass diese Fiktion für alle Bereiche der Werkstätten gilt, also auch für den Eingangsbereich und für den Berufsbildungsbereich. Die Ämter sehen das aber zumeist anders. Zum Problem, wenn auch schon etwas alt: WfbM.


    So, wie Du die Sache schilderst, wird Dein Neffe wohl direkt in den Arbeitsbereich kommen. Dann ist das mit der Erwerbsminderung in trockenen Tüchern. Und auch der Anspruch auf Grundsicherung. Vorteil gegenüber der Sozialhilfe. Grds. keine Inanspruchnahme der Eltern auf Unterhalt, es sei denn: Grenze 100.000 EUR ist erreicht und das Amt weiß das (§ 43 Abs. 5 Satz 1 und 2 SGB XII).


    Dein Neffe hat dann grundsätzich Anspruch auf den Regelbedarf (sofern kein verwertbares Vermögen (> 2.600,00 EUR) vorhanden ist). Nach der Rechtsprechung des BSG hat er auch dann Anspruch auf den Regelsatz nach der Regelbedarfsstufe 1, wenn er noch im Haushalt der Eltern leben sollte. Nicht nur nach Stufe 3. Das sind 404 EUR. Das gilt übrigens auch dann, wenn er "nur" Sozialhilfe nach dem Dritten Kapitel des SGB VII beziehen sollte. Wenn er alleine lebt, ist die RBS 1 ohnehin klar.


    Kosten der Unterkunft stehen Deinem Neffen in Höhe der tatsächlichen Aufwendungen zu, soweit sie angemessen sind. Dazu gibt es lokale Richtlinien. Erkundige Dich vorher über die Richtwerte, dann gibt es auch kein böses Erwachen. Wenn Dein Neffe erst noch bei seinen Eltern wohnen müsste, vielen Kosten der Unterkunft nur an, wenn auch tatsächlich Geld fließt. Mietverträge zwischen mittellosen Hilfeempfängern und ihren Eltern werden von den Gerichten aber in der Regel als nichtige Scheingeschäfte bewertet. Sobald Dein Neffe aber in eine eigene Wohnung zieht, sind die angemessenen Kosten aber bei der Bedarfsermittlung zu berücksichtigen. Es gibt heute tolle Unterkünfte der einschlägigen Sozialverbände, in denen Behinderte zu relativ günstigen Konditionen zB möbilierte zimmer mit Rundumversorgung mieten können.


    In Betracht kommen noch Mehrbedarfe, zB bei Schwerbehinderung (GdB mindestens 50) UND Merkzeichen G oder aG. Immerhin 68,68 EUR.


    In Abzug gebracht werden die Einkünfte Deines Neffen. Die Differenz ergibt den Leistungsanspruch.


    Toi, toi, toi und alles Guten für Deinen Neffen.


    F.

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  • Ach ja, es kommt auch eine Beihilfe für die Erstausstattung der Wohnung mit Möbeln in Betracht. Die Höhe regeln örtliche Richtlinien, meistens gibt es Pauschalen. Du solltest nicht allzu viel [diesmal richtig geschrieben! ;) ] erwarten. Aber für die Erstausstattung eines jungen Mannes wäre es ok. Ob man das in Anspruch nehmen muss, wenn die Eltern nicht am Hungertuch nagen, ist eine andere Frage.


    Zudem: Bei den Einkünften werden ganz beachtliche Freibeträge berücksichtigt, glaube ich.


    F.

  • Hallo,


    also ich bin wirklich begeistert von der Hilfsbereitschaft hier. Vielen Dank.


    @yamato, habe gerade nachgeschaut im Bewilligungsbescheid für die Maßnahme. Er kommt von der Agentur für Arbeit Bochum.


    @Fidelius, vielen Dank für deine langen Ausführungen.
    Ich tue mich da noch etwas schwer mit dem Verständnis, hab auch schon mal die Links gelesen.


    Also das Jahrseinkommen der Eltern ist auf jeden Fall unter 100.000€.


    Was ich jetzt noch nicht verstehe, bisher dachte ich immer Grundsicherung wäre das Schlechteste was einem passierren kann, noch schlechter als Hartz 4.
    Wie gesagt, er macht eine Ausbildung, die er vorraussichtlich schaffen wird, wieso soll er da voll erwerbsgemindert sein?
    Ich dachte die WfbM wäre so ein Sprungbrett in den ersten Arbeitsmarkt, die ihm evtl. noch etwas Sicherheit gibt, bevor er in einem normalen Betrieb arbeiten kann.
    Er möchte gerne arbeiten und hat auch Spaß daran gebraucht zu werden und Aufgaben zu erledigen. Er ist da nur etwas unselbstständig durch die Kommunikationseinschränkung.


    Bezüglich deines Nachtrags, ich denke man muss ja nicht alles beantragen, was einem zusteht.
    Es geht mir nur darum, ihm ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen und ihm jetzt zu helfen, dass er überwiegend selbstständig klar kommt.
    Jetzt kann er es noch lernen, je älter er wird um so schwerer wird es.


    Das wird er aber zu Hause bei den Eltern nicht lernen können, dafür muss er ausziehen.
    Wenn nun aber die Eltern für alle Kosten aufkommen müssten, würde man natürlich sagen, bleib zu Hause wohnen, ist billiger.


    Deshalb war mir wichtig, dass und ob die Kosten übernommen werden.


    Ich glaube schon, er wird die Kurve kratzen und über kurz oder lang für sich selber sorgen können.


    Vielen Dank.


    vom Onkel

  • Was ich jetzt noch nicht verstehe, bisher dachte ich immer Grundsicherung wäre das Schlechteste was einem passierren kann, noch schlechter als Hartz 4.

    Hartz 4 (= SGB II) und Hilfe zum Lebensunterhalt bzw. Grundsicherung (= 3. bzw. 4 Kapitel SGB XII) unterscheiden sich der Höhe nach nicht voneinander. Die Unterschiede liegen im Detail. Die Vorteile des SGB II (höheres Schonvermögen, PKW zulässig, "Fördermaßnahmen" usw.) sind für Behinderte nicht so interessant. Dafür ist der "Erwartungsdruck" im SGB II - grundsätzlich - sehr hoch. Demgegenüber beziehen Leistungen nach dem SGB XII im Wesentlichen nur Rentner und voll Erwerbsgeminderte. Dort wird nur alimentiert, ohne Druck. Das Schonvermögen ist allerdings deutlich geringer, ein Pkw in aller Regel nicht zulässig.


    innerhalb des SGB XII, also HLU und Grundsicherung, sind die Leistungen wiederum identisch. Grundsicherung bekommen neben Rentnern auf Dauer voll erwerbsgeminderte Menschen, HLU bekommen voll erwerbsgeminderte Menschen, bei denen die Erwerbsminderung nur befristet ist, die also wieder genesen können. Wesentlicher Unterschied: Unterhaltspflichten der Eltern und der Kinder gegenüber dem Hilfeempfänger bei der HLU, jedoch - grundsätzlich - nicht bei der Grundsicherung.


    Wie gesagt, er macht eine Ausbildung, die er vorraussichtlich schaffen wird, wieso soll er da voll erwerbsgemindert sein?

    Die Regelung im Rentenrecht (SGB VI), wonach Versicherte nach § 1 Satz 1 Nr. 2 sgb VI, die wegen Art oder Schwere der Behinderung nicht auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt tätig sein können, als voll erwerbsgemindert "gelten", ist eine Fiktion. Es wird so getan, also ob. Mit den tatsächlichen Fähigkeiten hat dies im Grunde nichts zu tun. Sie könnten zwar mindestens sechs Stunden arbeiten. Aber nicht unter den Bedingungen, die heutzutage auf dem Arbeitsmarkt herrschen. Das wird den Behinderten aber nicht gerecht. Deshalb die Fiktion.


    Deshalb: Sobald der Fachausschuss der Werkstätte seine Stellungnahme abgegeben hat und der Behinderte in den Arbeitsbereich der Werkstätte kommt, gilt er als auf Dauer voll erwerbsgemindert. Solange eben, bis er aus dem Arbeitsbereich ausscheidet und auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Arbeitsplatz gefunden hat.


    Ich dachte die WfbM wäre so ein Sprungbrett in den ersten Arbeitsmarkt, die ihm evtl. noch etwas Sicherheit gibt, bevor er in einem normalen Betrieb arbeiten kann.

    Sprungbrett auf den ersten Arbeitsmarkt ist ein Wunschtraum. Bei aller Hochachtung vor den Leistungen der Werkstätten. Es hat sich gezeigt, dass das von Dir zutreffend genannte Ziel der Arbeitsmarktintegration nicht erreicht wird. Ich kenne die exakten Statistiken nicht. Aber wenn ich behauptet, 99,9 Prozent der Menschen, die in Werkstätten arbeiten, schaffen den Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt nicht, liege ich wohl nicht so falsch. Mag sein, dass es 97 Prozent sind. Das liegt weniger an den Werkstätten als an unserem "System".


    Das schließt selbstverständlich nicht aus, dass Dein Neffe den Sprung schafft. Ich wünsche es ihm. Wenn er eine (reguläre) Ausbildung bewältigt, ist er ja auch nicht der "typische" Fall.


    F.

  • .........


    So, wie Du die Sache schilderst, wird Dein Neffe wohl direkt in den Arbeitsbereich kommen. Dann ist das mit der Erwerbsminderung in trockenen Tüchern. Und auch der Anspruch auf Grundsicherung. Vorteil gegenüber der Sozialhilfe. Grds. keine Inanspruchnahme der Eltern auf Unterhalt, es sei denn: Grenze 100.000 EUR ist erreicht und das Amt weiß das (§ 43 Abs. 5 Satz 1 und 2 SGB XII).


    ..........

    Bitte auch noch § 94 Abs. 2 lesen ;-)
    26,00 EUR bzw. 20,00 EUR können durchaus gefordert werden.

    "Ich hab' hier bloß ein Amt und keine Meinung." (Friedrich Schiller)

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  • Hallo,


    euch allen ganz herzlichen Dank für die Menge an Informationen. Alles sehr Interessant, und einiges habe ich auch schon etwas geahnt (WfbM).
    Im Moment verstehe ich vieles noch nicht, muss mir das alles mal in Ruhe 10 mal durchlesen, auch die zahlreichen zitierten Gesetze.
    Bin leider kein Jurist, aber mit eurer Hilfe werde ich es versuchen zu schaffen.


    Ich hoffe ich darf in ein paar Tagen mit ein paar gezielten Nachfragen kommen?


    Vielen Dank vom Onkel

  • Hi unwissender Onkel. Ich finde es toll, wie Du dich für dein Patenkind einsetzt und deine Patenschaft nicht nur mit der lästigen Pflicht gleichsetzt, dem Kinde regelmäßig was zu Weihnachten und zum Geburtstag zu schenken.
    Leider ist es so, dass viele Menschen in dem System verloren sind, wenn sie nicht jemand wie dich haben.


    Weiter so!

  • Hallo,


    also ich habe mich heute noch mal ausführlich mit euren Infos beschäftigt.
    HLU kannte ich bis jetzt noch gar nicht, habe hier viel gelernt.
    Fidelius hat mir alles ja im Detail noch mal gut erklärt. Danke!


    Für die finanzielle Versorgung inkl. Wohnung habe ich es jetzt so verstanden, dass es eigentlich egal ist, ob Hartz 4, Grundsicherung oder HLU. Geld kommt erst mal, so lange er nichts selbst verdient.
    Mehr Druck bei Hartz 4 ist klar, ist erst mal kein Problem, er möchte ja selbstständig werden, will ja arbeiten.
    Und durch die Behinderung denke ich, ist das auch den Ämtern klar, dass es eben evtl. doch nicht geht. Dann müsste man eben in Grundsicherung oder HLU wechseln.


    Bei Hartz 4 oder Grundsicherung auf jeden Fall kein Rückgriff auf Einkommen der Eltern, sofern unter 100.000€ im Jahr.


    Bei HLU erfolgt Rückgriff auf das Einkommen der Eltern.
    Habe da mal gegoogelt. das sind dann aber wohl "nur" monatlich 24,68€ für die HLU sowie ggfs. 32,08€ für Eingliederungshilfe, die ja vermutlich fürs betreute Wohnen anfallen wird.
    Also mit 56,76€ ein überschaubarer Betrag.
    Hab ich das so richtig verstanden/recherchiert?


    Was ich leider nicht verstanden habe, ist der Disput mit den 26€ oder 20€ im §94 Abs. 2.


    Ist jetzt ja kein Riesenbetrag, aber ich verstehe den Gesetzestext da gar nicht, wer zahlt den und warum und wie?
    Wäre toll, wenn mir das noch jemand einfach erklären könnte.


    Ansonsten nochmals vielen Dank an alle, dass hier so uneigennützig geholfen wird.


    @JonSnow, danke für die Blumen. Ich helfe meinem Paten"kind" sehr gerne. Ist ein ganz lieber Mensch und es freut mich immer sehr, wenn es ihm besser geht oder er kleine Fortschritte macht.


    Viele Grüße vom Onkel

  • Hallo unwissender Onkel,


    das unglückliche an dem Thread ist leider, dass er mit zu vielen Worthülsen und Rechtstexten überfüllt ist.


    Aus praktischer Sicht ist es einfacher:


    1. Finanzielle Grundsicherung:
    Man muss eigentlich nur zu einer der Behörden gehen, die die Leistungen für die Sicherung des Lebensunterhalts verwalten.
    Ob man das örtliche "Sozialamt" oder das Jobcenter wählt ist rechtlich egal. Wenns die falsche Stelle ist, schicken die Euch zur richtigen weiter. Wenn man sich um die Frist Sorgen macht, kann man sogar einen Zweizeiler als "Antrag" zu beiden Stellen schicken und schon ist die Frist gewahrt.


    --> Auf zum "Sozialamt": Für Schwerbehinderte ist es üblicherweise sinnvoller, im SGB XII -zu starten (egal, ob man letztendlich dort bleibt), gerade wenn bereits die Tätigkeit in einer Behindertenwerkstatt im Raum steht.


    2. Zum Unterhalt
    Eigentlich hatten Eltern ihrem Kind mit Behinderung früher lebenslang Unterhalt zu zahlen, wenn das Kind sich nie selbst versorgen konnte. Der Gesetzgeber hat das im Lauf der Zeit als unangemessen eingestuft. Die Menschen mit Behinderung bekommen nun statt dessen Sozialleistungen - aber auch nicht mehr.


    Die Eltern müssen nun normalerweise sobald die Ausbildung etc abgeschlossen ist höchstens noch einen kleinen Obulus zahlen. Ob das nun 20 + 26 Euro sind oder ein bisschen weniger oder gar nichts, interessiert Einkommensstarke Eltern normalerweise so gut wie gar nicht an dem Punkt. Das sind im Vergleich zu vollem Unterhalt erstmal "Peanuts".


    Das ist für Dich und Dein Patenkind völlig wurst und spielt fürs große Gesamtbild erst mal keine Rolle. Damit können sich die Eltern beschäftigen, falls die Gemeinde ihnen schreibt.


    3. Berufliche Lösung:


    Wenn Dein Patenkind eine autistische Störung hat, bringt Grundsicherung allein normalerweise keine langfristige Lösung.


    Falls wir von einer "normalen" anerkannten Ausbildung reden dürfte es üblicherweise Asperger oder hochfunktionaler Autismus sein. In dem Fall hat es sich als immens wichtig erwiesen, früh genug sorgfältig zu prüfen, ob die Betroffenen fürs normale Berufsleben geeignet sind. Die Versuchung ist für die Behördenvertreter und Ärzte immer sehr groß, es sich einfch zu machen und die jungen Erwachsenen in Behindertenwerkstätten zu stecken.


    Bei einem Teil der Fälle macht das Sinn. Das sind aber die Fälle, wo wirklich nicht mehr geht.


    Bei den übrigen jungen Autisten kann es deren Entwicklung massiv beinträchtigen.


    Hier braucht es evtl. spezialisierte Beratung. Es gibt in vielen Regionen Vereine und Beratungsstellen speziell für Autisten und deren Familien. Dort sind oft die wertvollsten Informationen gebündelt vorhanden. Oft sind die Vereine auch tolle Netzwerke. Es ist nicht ganz selten, das übers Netzwerk dann auch schon mal ein geeigneter Job auftaucht.


    Je nach Ausprägung des Autismus gibt es sogar Arbeitgeber, die speziell Autisten einstellen. Das ist aber im Regelfall auf die am besten funktionierenden Autisten konzentriert. auticon und specialisterne sind hierfür klassische Beispiele.

  • Besuchen Sie auch unsere Ratgeber zu Hartz 4:

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  • Ein netter Beitrag von Alba, ohne Frage.


    Und ich mag mich ja täuschen. Aber war das wirklich die Frage?



    Zudem: Für Albas Beitrag gibt es Fachforen.

  • Welche Beiträge hier geschrieben werden dürfen oder in "Fachforen", entscheidest nicht du. Im Übrigen bleibt sowieso erstmal abzuwarten, was nach Ende der Rehaausbildung ansteht. Denn ohne Eingliederung in eine WfB wirds ja wohl eher ein SGB II Fall werden, da bisher noch niemand eine Erwerbsunfähigkeit festgestellt hat.

    Es ist nicht nötig (und noch dazu regelwidrig!), mir eine PN zu schreiben, weil eine Verwarnung erfolgte, ein Beitrag oder Thread gelöscht oder ein Thread geschlossen wurde. Wenn dies geschah, hatte es einen entsprechenden Grund. Ich verweise insoweit auf die Regeln des Forums: Forenregeln.