Was wird abgezogen?

  • Ich bin 19 Jahre und habe nun nach 3 Jahren eine Schulische Ausbildung abgeschlossen. Da meine Eltern beide Harz 4 beziehen, bilden wir laut Gesetz, da ich kein Einkommen habe, eine Bedarfsgemeinschaft. Nun beginne ich ab dem 01.08 mit dem Arbeiten und bekomme ein Einstiegsgehalt von etwa 2300€ brutto + Zuschläge. Damit wird aus der Bedarfsgemeinschaft jetzt eine Haushaltsgemeinschaft.
    Jetzt zu meiner eigentlichen Frage: Was bleibt von dem Geld? Miete werde ich zu 1/3 bezahlen müssen, aber was noch? Wenn mich jemand aufklären könnte wäre das echt super.
    Ich würde gerne ausziehen, auch um näher an meiner Arbeit zu wohnen und weniger Benzinkosten zu haben, aber leider fehlt mir das Geld für Kaution und Möbel. WG's existieren in der Umgebung leider keine :/


    MfG

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  • Falls es aus irgend einem Grund noch Kindergeld geben sollte, wird das den Eltern zugerechnet.


    Ansonsten hast Du nun voraussichtlich das klassische Privileg der arbeitenden jungen Erwachsenen U25:


    Du fällst beim Jobcenter raus. Deine Eltern erhalten nach dem sog. Kopfanteilsprinzip nur noch 2/3 der Kosten der Unterkunft. Das ist rechtlich "Dein" Mietanteil, den Du ausgleichen solltest.


    Bei 2.300+ Euro sollten über den Daumen gepeilt rund 1500 Netto rauskommen, dazu kommt dann noch das Netto aus den Zuschlägen. Damit dürfte monatlich künftig Einiges übrig bleiben.


    Hinsichtlich des Umzugs. Hier kommt umgekehrt der "Nachteil". Den gibt es üblicherweise nicht vom Jobcenter.


    Vorweg mal zur Realisierbarkeit, falls Du so oder so ausziehen magst: mit Deinem Gehalt kannst Du ein paar Monate sparen und es ist auch nicht unrealistisch, in der Situationen einen Dispo oder Microkredit zu bekommen. Wohnung mit vorhandener EBK (oder gleich eine WG) suchen, gute Gebrauchtmöbel, Freunde mit einem gemieteten Sprinter und die erste eigene Wohnung oder WG steht.


    Rein rechtlich kannst Du beim Jobcenter durchrechnen lassen, ob Du trotz Gehalt ggf. einen Teil der Umzugskosten bekommst.
    Das kann hier im Forum niemand beurteilen, da dafür die hard facts fehlen. Es ist aber aus der Ferne betrachtet nicht sonderlich wahrscheinlich, da es Dir rein rechtlich gesehen grds. zumutbar ist, erst einmal bei Deinen Eltern weiter zu wohnen und die zumutbaren Pendelzeiten recht hoch sind.


    Dazu kommt, dass auf die Leistungen mehrere Monate Deines Gehalt angerechnet werden dürfen, falls das Bettogehalt Deinen sozialrechtlichen Bedarf überschreitet (was mit 1500 + deutlich der Fall sein dürfte). Außerdem gibt es die Kaution ohnehin nur als Darlehen und für die Erstausstattung der Wohnung vor allem kleines Geld für Gebrauchtware oder Warenlieferungen. Das ist nicht das große Geld bei einer Single-Wohnung. Aber München Stadt ist nicht Weißenfels - wir wissen nicht, wo Du wohnst und was die Wohnungen kosten.


    Fazit ist deshalb: Man kann es im Jobcenter beantragen und durchrechnen lassen, wenn man sicher gehen will. Dazu muss man keine laufenden Leistungen bekommen.

  • Klingt doch ganz vernünftig. Ich muss doch aber sicher noch mehr tragen als meinen Mietanteil oder? Werde ich nicht beweisen müssen, dass ich selber für Verpflegung und ähnliches aufkomme?


    Wenn wirklich einiges übrig bleibt benötige ich keine Hilfe beim Umzug. Hier auf dem Land sind 2 Zimmer Wohnungen relativ "billig".

  • Hi,


    Du bist gegenüber dem JC nicht verpflichtet, Deine Eltern zu unterstützen. Diese bekommen, wie schon gesagt, weniger Miete aber ansonsten soviel Regelsatz wie zuvor auch.
    Dass du dich natürlich an der Füllung des Kühlschrankes mit Lebensmitteln beteiligen solltest, ist klar, spielt aber für das JC keine Rolle.

  • Natürlich werde ich meine Eltern bei den Kosten für Essen etc. unterstützen :D Ich dachte aber das von mir verlangt wird Buch über die Kostenteilung zu führen, oder so etwas in der Art.


    Danke für die schnelle Hilfe. Dann kann ich ja bald mit dem sparen anfangen.

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  • Elvti, Du denkst völlig richtig. Wenn Du Deinen Anteil an Miete und Essen etc. zahlst ist es gut.
    Ich würde an Deiner Stelle notieren, was Du im Monat so für Essen brauchst, man hat dann den Überblick.
    Und wie Du richtig meinst, Du kannst dann sparen für die Wohnung, wie Du sie Dir wünschst. Glückwunsch zur neuen Stelle!

  • nein, Buch führen mußt du nicht.
    Was deine Eltern weniger an Miete bekommen plus die nebenkosten wie Strom zahlst du halt an deine Eltern.
    So wie später deine eigene Miete.
    Was du für Essen, Trinken und zb. Wäsche waschen zuhause zahlst ist Verhandlungsbasis mit deinen Eltern
    aber auch davon abhängig wie oft du wirklich zuhause z.B. ißt


    deine Eltern sollten aber für sich auch abklären, ob den ihre Wohnung für sie beide noch angemessen ist wenn du ausziehst

    Das Vergleichen ist das Ende des Glücks
    und der Anfang der Unzufriedenheit.

  • Ich gebe meinen Eltern gerne ein Teil meines Geldes ab. Ich hatte einfach erwartet, dass das JC kontrolliert ob ich Ihnen nicht zuviel Geld gebe.
    Mit der Größe der Wohnung hast du natürlich recht. Wie viel Quadratmeter sind pro Person angemessen?

  • Damit wird aus der Bedarfsgemeinschaft jetzt eine Haushaltsgemeinschaft.

    Genau genommen bist du immer noch Teil der Bedarfsgemeinschaft. Du wirst immer noch im Bescheid stehen. Da du aber bedarfsgedeckt bist und Kindergeld wohl nicht mehr bezahlt wird, ergibt sich leistungsrechtlich kein Unterschied gegenüber einem Szenario, in dem du nur Teil der Haushaltsgemeinschaft bist.

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  • Genau genommen bist du immer noch Teil der Bedarfsgemeinschaft. Du wirst immer noch im Bescheid stehen. Da du aber bedarfsgedeckt bist und Kindergeld wohl nicht mehr bezahlt wird, ergibt sich leistungsrechtlich kein Unterschied gegenüber einem Szenario, in dem du nur Teil der Haushaltsgemeinschaft bist.

    "SGBII §7 (3) Zur Bedarfsgemeinschaft gehören:
    4.die dem Haushalt angehörenden unverheirateten Kinder der in den Nummern 1 bis 3 genannten Personen, wenn sie das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben,

    soweit sie die Leistungen zur Sicherung ihres Lebensunterhalts nicht aus eigenem Einkommen oder Vermögen beschaffen können."


    Zitat aus: "https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_2/__7.html" (Markierung in Fett von mir)


    Meinem Verständnis nach gehört der TE demnach nicht mehr zur BG.

  • Wenn du noch ca. ein weiteres Jahr bei deinen Eltern wohnen bleibst, kannst du in der Zwischenzeit Geld für Möbel und Kaution zusammensparen. Du verdienst für den Anfang wirklich gutes Geld. Selbst wenn du deinen Mietanteil und die Verpflegung etc. übernehmen musst, hast du immer noch ein Sümmchen zum Sparen übrig. Da du selbst keine Hartz IV-Leistungen mehr beziehst, wird dir das JC auch kein Geld für Möbel und Kaution geben.

  • Wenn du noch ca. ein weiteres Jahr bei deinen Eltern wohnen bleibst, kannst du in der Zwischenzeit Geld für Möbel und Kaution zusammensparen. Du verdienst für den Anfang wirklich gutes Geld. Selbst wenn du deinen Mietanteil und die Verpflegung etc. übernehmen musst, hast du immer noch ein Sümmchen zum Sparen übrig. Da du selbst keine Hartz IV-Leistungen mehr beziehst, wird dir das JC auch kein Geld für Möbel und Kaution geben.

    Nur zur Klarstellung:


    Ganz allgemein kann man beim Jobcenter auch dann Leistungen für einen Umzug bekommen, wenn man keine laufenden Leistungen bezieht. Mit anderen Worten: wenn man gerade so genug zum Leben hat, aber nicht genug für die zusätzlichen Kosten eines Umzugs. Dabei wird aber teils eben nicht nur auf das "Jetzt sofort" geschaut, sondern auch auf die Einkünfte der kommenden paar Monate und was man davon realistisch zurücklegen könnte.


    Dadurch ist im vorliegenden Fall m.E. ein größerer Betrag des JC für einen Umzug sehr unwahrscheinlich. Selbst wenn der Umzug überhaupt rechtlich erforderlich und zustimmungsfähig wäre könnte vom Nettoeinkommen noch immer genug gespart werden um die normalen Kosten für eine eigene Wohnungsausstattung zu bezahlen.

  • Also so ganz eindeutig ist das überhaupt nicht geregelt. Umzugskosten sind Bestandteil der nach § 22 SGB II zu erbringenden Kosten für Unterkunft. Nach Rechtsprechung des BSG richten sich diese nach den Monat der Fälligkeit. Eine Ansparnorm wie z. B. im § 24 Abs. 3 SGB II sieht das Gesetz nicht vor. Andererseits gibt es natürlich die Argumentation, dass es nicht sein kann, dass jemand, der ansonsten genug Geld hat und für solche Kosten ansparen kann, das trotzdem vom Steuerzahler (voll) finanziert bekommt (so z. B. einige Entscheidungen zu in größeren Zeitabständen anzuschaffende Heizmaterialien).


    Von daher ist das eine recht ungeklärte Rechtslage.

    Es ist nicht nötig (und noch dazu regelwidrig!), mir eine PN zu schreiben, weil eine Verwarnung erfolgte, ein Beitrag oder Thread gelöscht oder ein Thread geschlossen wurde. Wenn dies geschah, hatte es einen entsprechenden Grund. Ich verweise insoweit auf die Regeln des Forums: Forenregeln.

  • Zustimmung zu Turtles Ausführungen! Es ist kein bundeseinheitlicher Standard insoweit. Streng genommen können die jeweiligen Kommunen hierzu ihre eigenen Regeln machen.


    Vorsorglich: Das ändert an den übrigen Ausführungen meinerseits aber leider nichts. § 22 As 5 SGB II stellt sehr hohe Anforderungen an einen Umzug für unter 25 Jährige.

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  • Nein, die Kommunen können - was Umzugskosten für Nichtleistungsbezieher angeht- kein eigenes Süppchen kochen, jedenfalls nicht, was das "ob" angeht. Da wird die Rechtsprechung früher oder später den Weg weisen müssen.


    In vorliegendem Fall sehe ich aber keine Möglichkeit der Förderung, denn der Umzug scheint ja nicht für die Arbeit notwendig zu sein, es wäre nur "bequemer", näher an der Arbeitsstelle zu wohnen. Und für Erstausstattung gibt es ja die Ansparnorm des § 24 Abs. 3 SGB II. Schätzungsweise wird da bei 1500 Euro netto und einem derzeitigen Bedarf von RS U25 + 1/3 Miete noch soviel übersteigendes Einkommen da sein, dass es auf die 6 Monate betrachtet für die Erstausstattung reicht, wenn man bedenkt, dass mit Erstausstattung im Sinne des SGB II nur das zur geordneten Haushaltsführung Unerlässliche gemeint ist.

    Es ist nicht nötig (und noch dazu regelwidrig!), mir eine PN zu schreiben, weil eine Verwarnung erfolgte, ein Beitrag oder Thread gelöscht oder ein Thread geschlossen wurde. Wenn dies geschah, hatte es einen entsprechenden Grund. Ich verweise insoweit auf die Regeln des Forums: Forenregeln.

  • Nein, die Kommunen können - was Umzugskosten für Nichtleistungsbezieher angeht- kein eigenes Süppchen kochen, jedenfalls nicht, was das "ob" angeht. Da wird die Rechtsprechung früher oder später den Weg weisen müssen.


    Mir war nicht klar, dass es um die Frage des "Ob" gehen soll. Die Frage ist allerdings geklärt und ergibt sich direkt aus der gesetzlichen Systematik.


    Für KdU braucht es keine ausdrückliche Ermächtigung entsprechend § 24 Abs. 3 SGB II für einmalige Leistungen. Denn bei den KdU geht es nicht um Positionen, die vom Regelbedarf abgedeckt sind. Also gilt § 9 Abs.1 SGB II diesbezüglich direkt auch für einmalige Leistungen.