AGH / 1€ Job ...miserable Zustände

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    • AGH / 1€ Job ...miserable Zustände

      Hallo

      ich bin von meinem Vermittler (den ich eigentlich mag) in eine AGH gesteckt worden, auf eigenen WUnsch sogar.

      Nur habe ich nicht damit gerechnet in was ich da rein gerate...

      Problem 1: Die Tätigkeit ansich. Im Büro bei meinem Vermittler hörte sich das noch ganz gut an und auf dem Zettel steht: Orginal Zitat:
      Beschäftigungsfeld Büro und Verkauf, einfache Aktivitäten in Verwaltung und Büro (kopieren, ablegen, Daten erfassen). Kundenkontakte, Verkauf, Rechnungsausschreibung, Kassenbuchführung, Warenpräsentation. Beschäftigung Lager und Logistik. Auftragsakquise, Auftragsdurchführung, Lageraufbau, Durchführung der Logistik, Haushaltsauflösungen, Transportsicherung, Aktivitäten in der Verwaltung des Lagers, Kundenkontakte, Recycling, Rohstoffverwertung.

      Tatsächlich mache ich überwiegend Mülldienst. Ich muss mit einem Kollegen in einem kleinen Piaggio durch die ganze Stadt fahren und Mülleimer und Hundeklos leeren. In wenigen Mülleimern sind nur Säcke zu wechseln, was noch in Ordnung wäre, aber beim überwiegenden Teil muss ich mit Handschuhen hineingreifen und den Müll von Hand rausziehen. Was für mich einfach nur eine Sauerrei ist.

      Problem 2: Arbeitskleidung: ich hab bekommen: 1 Hose 1 Arbeitsjacke (das 5€ Modell) und Sicherheitsschuhe die mir nicht passen. Und Handschuhe die aufgrund ihrer Machart (glatt, teilgummiert, nicht wasserdicht) ungeeignet sind für diese Tätigkeit. A läuft mir immer die Dreckbrühe die in den Eimern steht oben rein, und B rutschen die Plastiksäcke sehr leicht aus den Händen.
      Die Arbeitshose ist mir in der Umkleide geklaut worden, die Schuhe passen nicht, die Handschuhe sind auch weg gekommen.

      Was soll ich also tun? Wenn ich schon diesen Dreck machen muss dann will ich wenigstens nicht für 2€ in der Stunde auch noch meine Schuhe breit latschen und MEINE Jacke versauen. Und ne gute Jacke braucht man hier auf der Schwäb. Alb. denn im Winter isses hier sau kalt.
      Und da diese Tätigkeit ja ansich weder Recycling noch Rohstoffverwertung ist und Müllentsorgung nicht im Vertrag steht, muss ich das überhaupt machen?
    • jellybean;274142 schrieb:

      ich bin von meinem Vermittler (den ich eigentlich mag)...

      Dann geh mal davon aus, dass der nicht gewusst haben konnte, wo er Dich hinschickt. Er hat vermutlich auch nur die Beschreibung, die Dir vorliegt.

      Der wäre jetzt sowieso Dein erster Ansprechpartner. Bitte lass Dir so schnell wie möglich einen Termin geben und bitte ihn um Hilfestellung.

      jellybean;274142 schrieb:

      Problem 1: Die Tätigkeit ansich.

      Theoretisch ist Dir so etwas zuzumuten, wenn Du körperlich damit klarkommst. Als generell unzumutbar sehe ich "Mülleimer leeren" nicht an.
      Wenn die AGH aber das Ziel hat, Dir auch Kenntnisse und Erfahrungen im Lagerbereich und oder einfache Bürotätigkeiten zu vermitteln, dann sollte Dein Vermittler mal darüber nachdenken, ob es nichts anderes gibt.

      jellybean;274142 schrieb:

      Problem 2: Arbeitskleidung:

      Das ist Sache des Trägers der AGH (=Deine Beschäftigungseinrichtung), die müssen Dir geeignete Kleidung und Schutzausstattung stellen und die berechnen die Kosten dafür dem Jobcenter.
      Dass man nicht jeden Tag geklaute Handschuhe ersetzt bekommt leuchtet natürlich auch ein, aber erstens müssen die Handschuhe geeignet sein und zweitens solltest Du die Möglichkeit bekommen, die sicher aufzubewahren.
      Das gilt natürlich nur für Schutzkleidung. Der Jahreszeit angepasste Normalkleidung hast Du. Schutzkleidung gehört darüber. Und wenn Du Dir noch was kaufen musst, nun, dafür ist die Mehraufwandsentschädigung ja da.

      Insgesamt solltest Du mal mit den AGH-Kollegen dort sprechen. Wenn die alle eine "falsche" Arbeitsplatzbeschreibung haben, dann geht gemeinsam zum Jobcenter. Der AGH-Träger darf nämlich nicht machen, was er will, der hat einen Zuwendungsbescheid und darin stehen bestimmte Kriterien. Die darf der nicht einfach vor Ort ändern.
    • Gemeinnützig? Soll das n Witz sein? DIe lassen sich von der Stadt dafür fürstlich bezahlen dass der Müll wegkommt. Die Arbeit machen dann ausschließlich 1€ Jobber und der Gewinn fließt dann sonst wo hin. Zusätzlich hat man dann noch n "Gebrauchtmöbelhaus" wo gutmütige Menschen ihre alten Möbel hingeben gratis natürlich, und hier werden sie dann für möglichst viel Geld (also nix für Arbeitssuchende oder sozial schwache) weiterverkauft.

      Ausserdem wurden die jüngst erst (durch Anzeige von einem couragierten Ex-Kollegen) überführt mit den 1€ Jobbern Abrissarbeiten geleistet zu haben, in einem Aspestverseuchten Dachstuhl eines Rathauses einer Nachbargemeinde.

      Nennt sich "2. Chance" und Neue Arbeit ist der Laden zu dem das gehört. Und die machen nix anderes als solche 1€ Jobber ausnutzen. Und in Tübingen wo deren Sitz ist, ensteht dann ein Bürojob nach dem andern.
      Und wenn man mal nach denen googelt, dann sieht man daß die wie Krebsgeschwüre überall ausm Boden schiessen. Und dahinter steht die Diakonie, und die sind sowieso hinterm Geld her wie der Teufel hinter armen Seelen. Wie man so schön sagt...
    • jellybean;274148 schrieb:

      DIe lassen sich von der Stadt dafür fürstlich bezahlen dass der Müll wegkommt. Die Arbeit machen dann ausschließlich 1€ Jobber und der Gewinn fließt dann sonst wo hin.

      Wenn Du dafür Beweise hast, dann geh damit zum Jobcenter. Oder an die Presse.
      Falls das nur das übliche Gelaber ohne realistischen Hintergrund ist, dann sei vorsichtig, Du könntest Dich strafbar machen.

      Falls Dich Abzockerei nicht stört, dann gründe selbst eine Beschäftigungsgesellschaft und biete AGH an. Berichte dann bitte hier von den "Gewinnen", die Du mit oft arbeitsentwöhnten ungelernten Menschen machst, die sich sogar noch die Arbeitshosen klauen...
    • jellybean;274166 schrieb:

      Gerne meldest du dich dann freiwillig für die Mülltour?

      Ich kenne Deine Qualifikation nicht, von daher weiß ich nicht, wer von uns der Bessere dafür ist.

      Wobei ich mich dabei gerade frage, ob Du "Mülltouren" als etwas ansiehst, was nur "andere", aber nicht Du, machen sollen. Damit steht die Intention Deiner Anfrage in einem etwas anderen Licht da als vorher.
    • pAp;274175 schrieb:

      Ich kenne Deine Qualifikation nicht, von daher weiß ich nicht, wer von uns der Bessere dafür ist.

      Wobei ich mich dabei gerade frage, ob Du "Mülltouren" als etwas ansiehst, was nur "andere", aber nicht Du, machen sollen. Damit steht die Intention Deiner Anfrage in einem etwas anderen Licht da als vorher.


      Ich sehe das so, daß sowas keiner machen muss. Hätte man ein geeignetes Auto könnte man die Eimer einfach mit einem Schlüssel abmontieren und ausleeren ohne überhaupt einmal mit dem Müll in berührung zu kommen. Dann hätte ich auch nix gegen den Job.
      Übrigens lagen auch schon gebrauchte Kanülen in den Eimern, das ich mich da noch nicht gestochen hab iss reine Glücksache... :( Aber mit uns kann man es ja machen...
    • Hi,

      m.E. besteht kein Zweifel, dass die AGH, so wie sie beschrieben ist, rechtswidrig ist. Du solltest alles, was dort läuft, genau dokumentieren, denn es erscheint kaum wahrscheinlich, dass der Träger zugibt, dass er euch zum Müllsammeln einsetzt. Was Du tust, sollte, wie schon gesagt, in genauer Abstimmung mit dem Vermittler geschehen.
      Zudem sollten sich möglichst viele von Euch zusammen tun und überlegen, wie so etwas wie Mülldienst abgeblockt werden kann.
    • gustl;274265 schrieb:

      m.E. besteht kein Zweifel, dass die AGH, so wie sie beschrieben ist, rechtswidrig ist.

      Warum?
      Im öffentlichen Interesse liegend (=Arbeitsergebnis dient der Allgemeinheit) und zusätzlich (=wenn sie ohne die Förderung nicht, nicht in diesem Umfang oder erst zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführt werden) ist doch hier nicht ausgeschlossen.
    • Dieser Mülldienst wurde früher vom Städtischen Bauhof bzw den Stadtwerken gemacht, mit professionellen Mitteln. Die Kosten dürften in etwa gleich sein... von "nicht machbar" kann hier keine Rede sein. Viel eher wurde hier den Bauhofmitarbeitern das Leben nur etwas versüßt in dem die das nicht mehr machen brauchen.

      Noch was zum Vermittler... ich glaube der kennt den Laden und weis auch von den Tätigkeiten dort. Von daher will ich den da möglichst garnicht mit rein ziehen.
    • pAp;274293 schrieb:

      Warum?
      Im öffentlichen Interesse liegend (=Arbeitsergebnis dient der Allgemeinheit) und zusätzlich (=wenn sie ohne die Förderung nicht, nicht in diesem Umfang oder erst zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführt werden) ist doch hier nicht ausgeschlossen.



      Hi,

      entweder der Mülldienst betrifft öffentliches Gelände, dann ist es eine klassische öffentliche Aufgabe und damit nicht zusätzlich oder es betrifft Privatgelände, dann fehlt es an der Gemeinnützigkeit.
      Dass in vielen Kommunen grundlegende Aufgaben nur noch unzureichend ausgeführt werden, sollte m.E. nicht zu einem grauen Arbeitsmarkt führen, wie er hier geschildert wird.
    • Du schriebst, dass die AGH ohne Zweifel rechtswidrig ist, nun kommen massive Einschränkungen?

      gustl;274377 schrieb:

      entweder der Mülldienst betrifft öffentliches Gelände, dann ist es eine klassische öffentliche Aufgabe...

      Sicher ist das öffentliche Aufgabe.
      Und?
      Wenn der klassische öffentliche Reinigungsstandard eine Leerung am Tag vorsieht und durch die AGH eine weitere, um das Stadtbild zu verbessern, dann ist die AGH nicht "zweifelsfrei rechtswidrig", wie Du darstellen wolltest.

      gustl;274377 schrieb:

      Dass in vielen Kommunen grundlegende Aufgaben nur noch unzureichend ausgeführt werden, sollte m.E. nicht zu einem grauen Arbeitsmarkt führen, wie er hier geschildert wird.

      Darin sind wir uns völlig einig. Nur führt das nicht automatisch zur Rechtswidrigkeit...
    • Hi,

      zugestanden: "zweifelsfrei" ist wohl etwas forsch ausgedrückt.
      Unabhängig davon meine ich, dass ein notwendoge Müllbeseitigung nicht zusätzlich und ein eher beschäftigungstherapeutisch anmutender nicht eigentlich notwendiger weiterer Durchgang der Müllbeseitigung rechtlich jedenfalls sehr problematisch ist.
      Aber bei so vielen Wertungen sind wohl halt doch unterschiedliche Ergebnisse möglich.

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