Flüchtlinge, Asylbewerber und der Arbeitsmarkt

Eigene Arbeitslosenstatistik für Flüchtlinge

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit werden Flüchtlinge künftig in der Arbeitslosenstatistik getrennt ausgewiesen. In die IT-Systeme sei der Aufenthaltsstatus als Merkmal aufgenommen worden. So werde die Arbeitslosenstatistik bis Mitte kommenden Jahres nicht nur Aussagen zu Ausländern sondern auch zu Asylbewerbern treffen. Dies sei auf Drängen der Bundesarbeitsministerin geschehen.
Die Opposition betitelte diese Vorgehensweise als Schönfärberei. Bei der Gesamtzahl der Arbeitslosen seien die Asylbewerber in die offizielle Statistik zu integrieren.
Das Institut für Arbeitsmarktforschung geht auf der Basis von jeweils einer Million Flüchtlingen 2015 und 2016 im kommenden Jahr von 130.000 zusätzlichen Arbeitslosen aus.

Ein Sprecher der Bundesagentur erklärte zu den Vorwürfen der Opposition, dass die Flüchtlinge nicht aus der offiziellen Arbeitslosenstatistik herausgerechnet werden sollen. Es werde das gewohnte Verfahren beibehalten, nur eine Arbeitslosenquote zu veröffentlichen. Flüchtlinge sollten künftig nur als eigene Untergruppe erfasst werden wie etwa ältere Menschen, Frauen, Männer oder Schwerbehinderte.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund begrüßte die Pläne der Bundesagentur für Arbeit. Es sei sinnvoll, Gruppen, die eine besondere Aufmerksamkeit erfordern, in der Statistik abzubilden, verlautete aus dem DGB-Vorstand. Das erhöhe die Transparenz. Anhand der Statistik werde dann deutlich, ob es bei der Integration von Flüchtlingen Fortschritte gebe und welche Regionen zusätzliche Unterstützung benötigten.
Die Linken und Grünen warnten dennoch davor, die tatsächliche Zahl der Arbeitslosen zu verschleiern. Eine gesonderte Erfassung von Flüchtlingen mache aber wohl doch Sinn, etwa um ihre Integration besser zu steuern.

Vielen Flüchtlingen droht Arbeitslosigkeit

Unter den Flüchtlingen gibt es sehr viele Geringqualifizierte. Deshalb wird die Flüchtlingswelle bald auch deutliche Spuren am deutschen Arbeitsmarkt hinterlassen. Entscheidend für die Entwicklung wird allerdings sein, ob weiterhin so viele Flüchtlinge kommen wie bislang. Für das laufende Jahr sind knapp 2,8 Millionen Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt prognostiziert. Viele Flüchtlinge tauchen aufgrund des Registrierungsprozesses in der Arbeitsmarkt-Statistik noch nicht auf. 2015 verzeichnet die Arbeitsagentur bislang rund 380 000 neue Arbeitssuchende aus den klassischen Herkunftsländern Afrikas oder des Nahen Ostens. Genauso viele Menschen aus diesen Regionen sind in Deutschland sozialversichert beschäftigt. Eine Vermittlung der Neuankömmlinge in Arbeit dürfte bei anhaltend guter Konjunktur durchführbar sein. Der Chef der Bundesagentur für Arbeit erklärte hierzu: „Die Größenordnungen, die da sind, schaffen wir. Die große Herausforderung werden die Menschen sein, die noch kommen werden.“
Die Ankunft von Hunderttausenden sei jedoch zunächst einmal eine Belastung für den Arbeitsmarkt. Viele verfügten nicht über die notwendigen Sprachkenntnisse, anderen mangele es an der nötigen Qualifikation. Nach Schätzungen des Bundesarbeitsministeriums bringen nicht einmal 10 Prozent die nötigen Voraussetzungen mit, um direkt einen Arbeitsplatz zu finden.

Asylbewerber sind Bereicherung für Deutschland

Langfristig bezeichnete der Chef der BA die Asylbewerber jedoch als „große Bereicherung“ für Deutschland und dessen Wirtschaft, mit deren Hilfe es sogar gelingen könnte, die negativen Folgen des demographischen Wandels abzufedern. Nach den Berechnungen geht die die arbeitsfähige Bevölkerung bis 2030 um mehrere Millionen zurück. Anhaltende Flüchtlingsströme würden diese Entwicklung jedoch erheblich verändern.

Für die kommenden Aufgaben werden zusätzliche Hilfen nötig. Weise rechnet damit, dass in den Agenturen und Jobcentern rund 3000 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt werden müssen. Für 2016 rechnet das Arbeitsministerium mit Mehrkosten für Arbeitsmarktpolitik und Arbeitslosengeld II in Höhe von mindestens 3 Milliarden Euro. Für eine erfolgreiche Vermittlung müsse aber das gesamte Aufnahmeverfahren deutlich beschleunigt werden, fordert der Behördenmanager. Es dauere zu lange, ehe tatsächlich ein Arbeitsplatz für die Flüchtlinge gesucht werden könne.

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