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Sag deine Meinung zu Hartz IV und Co. Sie haben keine Frage, sondern wollen einfach Ihre Situation, ihre guten und schlechten Erlebnisse schildern (z.B. Besuch beim Amt, Vorstellungstermin, Krankenkasse usw.) - sachlich.

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  #1  
Alt 29.11.2009, 12:34
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Beiträge: 31
Ausrufezeichen Langsam kann man aggressiv werden... Irrsinn "System Arge"...

Vorab:

Ich bin kein Mensch, der ständig auf alles schimpft und nur die Hand aufhält, im Gegenteil. Und ich bin mir sicher: Einige von Euch werden meine Ausführungen ergänzen oder noch toppen können. Aber ich möchte mit meinem Beitrag wirklich mal initiativ nachfragen, ob man gegen das allgemeine System nicht rechtlich vorgehen kann - und damit meine ich meinen Einspruch gegen einzelne Entscheidungen entsprechender Argen sondern einen öffentlichkeitswirksamen "Abwatscher".

Was mich aufregt?

Wir wohnen mit Hund zu zweit in einer Bedarfsgemeinschaft. Der Hund ist "unser Luxus", war aber schon vor Hartz4 da. Wir müssen uns nichts vormachen, dass man als Hartz4-Empfänger nun nicht die große Auswahl auf dem Wohnungsmarkt hat, da muss man nehmen was bleibt und hoffen das man genommen wird, Vorbehalte gibt es nun einmal.

Jetzt hat man eine Wohnung gefunden, etwas größer als laut Liste angemessen, aber dennoch knapp unter den Ausgaben für eine Bedarfsgemeinschaft. Wohnung wird bewilligt, man zieht Ende 2008 ein, kümmert sich so intensiv wie möglich um geringe Kosten, macht alles alleine mangels Bekannten und Freunden vor Ort.

Wohnung ist älteren Baujahres, kaum isoliert, teilweise Einscheibenverglasung, Heizungsanlage entsprechend knapp 25 Jahre alt (Öl). Da man ökologisch handeln will und die Wohnung eine grundlegende Renovierung braucht, reisst man sich den Popo auf und investiert von dem wenigen Geld noch 250 Euro um die Heizungsnischen zu isolieren - und das fachgerecht in Eigenarbeit. Das spart nachweislich ca. 15% Heizkosten im Jahr.

Selbstredend reicht man die Belege für Material NICHT bei der Arge ein! Man heizt absolut sparsam, weit unter dem eigentlich üblichen Wärmedurchschnitt. Man heizt auch nicht alle Räume, nein, nur den einen den man lange Zeit provisorisch nutzt weil alle anderen noch lange nicht fertig sind. Zwar hat die Lebenspartnerin aufgrund einer verpfuschten OP ein steifes Bein und muss eine Schiene tragen und darf eigentlich keiner dauernden Kälte ausgesetzt sein, aber: Drauf gepfiffen.

Auch Warmwasser (wird per Öl erzeugt) setzt man extrem sparsam ein. Dann lässt die sehr kooperative Vermieterin 120 Euro springen - damit geht man sparsam Isolierungen für die offenen Heizungsrohre im Brennerraum einkaufen und macht sich 3 Tage á 12 Stunden ans Werk. Wieder ca. 10 - 12% Heizkosten im Jahr gespart. Und natürlich erwähnt man der Arge gegenüber auch diese Aktion nicht.

Aber man will noch mehr sparen: Man kauft sich für 90 Euro einen gebrauchten Holzofen, für ca. 60 Euro Ofenrohre und Wandmuffe, klöppelt in Eigenarbeit einige Tage vor sich hin, muss noch einen Rauchgasthermostat anbringen aus Sicherheitsgründen (ca. 60 Euro), und zahlt dann auch noch den Schornsteinfeger (130 Euro) für die Abnahme und seinen Erstbesuch zur Absprache der Installation. Und SCHWUPP: Spart man wieder ca. 15 - 20% an Heizkosten. Und natürlich macht man das alles auch ohne die Arge mit ins Boot zu nehmen.

Und die Arge? Deckelt die Ölkosten im Kreis Paderborn auf 1276 Liter pro Jahr für 2 Personen, berechnet anhand der bewilligten Wohnfläche. Man geht dagegen erst einmal nicht vor, weil der sehr flexible aber an Weisungen gebundene Teamleiter der zuständigen Arge meint: "Die Deckelung wird aufgehoben weil sie Irrsinn war, warten Sie mit dem Beantragen neuer Heizmittel bitte noch 2 Wochen ab!"

Dann die neue Regelung: Bewilligt wird mehr Wohnfläche aber gleichzeitig auch weniger Liter pro Jahr und Kopf. Aus 1276 Liter Öl werden 1416 Liter, auch einen Warmwasserzuschlag muss man bei der Menge nicht mehr selbst zahlen. Okay, super Sache - der Hammer aber ist die Antwort auf meine Frage: "Was, wenn man trotz extremster Sparsamkeit weit unter dem üblichen Level heizt und dennoch nicht auskommt?"

Darauf der Teamleiter (einleitend mit den Worten, dass er es auch als Unsinnig ansieht aber leider dazu mehr nicht sagen darf): "Dann kann der Kreis Paderborn den Umzug in eine wirtschaftlichere Wohnung anordnen, die Kosten für den Umzug werden natürlich getragen!" Meine Reaktion: "Die Umzugskosten werden getragen anstatt diese gleich mit in den Mehrbedarf einzurechnen? Und ein Mitarbeiter kommt nicht einmal raus um sich die Bude vor Ort anzuschauen? Und eine wirtschaftlichere Wohnung als Hartz4-Empfänger? Wie soll das bitte funktionieren?"

Darauf der Teamleiter: "Sie haben ja Recht, was soll ich machen?". Aber im Umkehrschluss schickt der Staat "Sparberater" in Hartz4-Haushalte, damit wir nicht auf Staatskosten das Licht zulange brennen lassen oder mit teuren E-Geräten Geld verballern. Und sogar 300 Euro als Leistung für die Anschaffung Energiesparender Geräte gibts obendrauf. Aber wenn ich die Belege für meinen Ofen, den Schornsteinfeger und andere Sparmaßnahmen einreiche: Werde ich vermutlich nur laut ausgelacht!?

Wenn ich jetzt noch damit anfange zu berichten, wie man sich bei angemeldeter Selbstständigkeit auf Nebengewerbe für jeden CENT mit mehr Aufwand rechtfertigen muss als man hatte den Cent zu verdienen und das man den verdienten Cent wieder in Einsparungsmaßnahmen gesteckt hat um dem Staat weniger auf der Tasche zu liegen: Flippe ich hier an der Tastatur ganz aus.

Wer hat gleiches erlebt, wer hat Ideen an wen man sich wenden muss um diesen Irrsinn ma bekannt zu machen bei den wirklich WICHTIGEN Stellen (neue Arbeitsministerin womöglich?), wer hat sich dagegen schon erfolgreich zur Wehr gesetzt, wem reicht es ebenso wie mir das der Staat mit einer unglaublichen Doppelmoral Millionen einsparen will um sie an anderer Stelle mit vollen Händen raus zu schmeißen?

Danke im Voraus!
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  #2  
Alt 29.11.2009, 21:44
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Dieser "Irrsinn" ist sicher kein Einzelfall, aber er ist auch absolut nicht die Regel. Vieles läuft im Bereich der ARGEn nicht optimal und jeder Einzelfall ist ausgesprochen ärgerlich und bedauerlich, weil es hier ja um den äußerst sensiblen Bereich der Existenzsicherung geht.

Trotzdem sollte man sich aber als Betroffener auch immer vor Augen halten. Der "böse SB" kann im Normalfall ziemlich wenig für den Fehler. Er ist gezwungen sich in einem nahezu unglaublichen Wust an teils miserabel zusammengestrickten Gesetzen und Verordnungen zurecht zu finden, und da wird ihm dann noch erschwert durch eine enorme Fülle an "Zusatzinformationen" plus teilweise sinnloser oder sogar rechtswidiriger Anweisungen seiner Vorgesetzten. (Ich hab es am eigenen Leib erleben "dürfen", dass mich eine gefrustete Widerspruchs SB anrief und mir mitteilte, sie müsse auf Anweisung der Geschäftsleitung meinen Widerspruch ablehnen. Ich solle auf jeden Fall klagen, ich hätte mit meinem Widerspruch zu 100% Recht. Und so war es auch, die SB hat sich vorm gerichtssaal dann sogar noch für ihre Vorgesetzten entschuldigt, das sei nicht hinnehmbar, wie dort vorgegangen würde).
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  #3  
Alt 01.12.2009, 11:38
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Tja, so irrsinnig kann es manchmal sein.

Ich kenne jemanden, dem gesagt wurde er solle umziehen, weil die Monatsmiete extrem erhöht wurde (Sozialunterstützung der Stadt fiel weg) und dann plötzlich 15Euro über dem Maximalbetrag lag! Nun bezahlt er die zusätzlichen 15 Euro einfach von seinem Regelsatz.

Der Hammer an der Sache ist ja, dass die ARGE die gesamten Kosten für den Umzug übernommen hätte. Aber die 15 Euro können und wollen sie nicht bezahlen. Man hätte die Kosten ja auch mal gegenrechnen können.

Beim Heizen ist es ja dasselbe. Der eine spart sich zu tode, weil er die Allgemeinheit und die Umwelt nicht so stark belasten möchte und der andere heizt wie ein Irrer, weils ja eh das Amt bezahlt.

Am Ende hat der Sparer dann nichts außer einem guten Gewissen von seiner Sparsamkeit, da das eingesparte Heizgeld ja einfach von der ARGE eingezogen wird.

Im Grunde genommen ist es ja ok, bloß kann man bei diesem Vorgehen nicht davon ausgehen, das die meisten ALG2 Empfänger sparsam heizen, auch wenn der Grundsatz des Sparens gilt. Das ist dann einfach Augenwischerei.Als ob die meisten Menschen wirklich aus eigenem Antrieb für die Allgemeinheit und umweltbewusst handeln würden..
Es geht hier nicht nur ums Geld, sondern auch um unsere Umwelt.
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  #4  
Alt 08.12.2009, 11:31
Benutzerbild von holly8
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Beiträge: 466
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Ich weiß nicht, was manche für eine Einstellung haben.
Ich spare auch an Heizung und Wasser, auch wenn die Arge zahlt. Und es ist doch auch logisch, dass die Arge das daraus entstehende Guthaben bekommt, denn sie zahlt auch die Miete. Im Gegenzug wurde auch 2008 die erste Nachzahlung übernommen und seitdem spare ich. Seitdem verringert sich der Verbrauch. Leider steigen auch jedes Jahr die Kosten. Trotzdem habe ich 2009 etwas zurück bekommen und werde es vermutlich auch nächstes Jahr. Ich will eben keine Nachzahlungsaufforderung haben.
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Stichworte
energie, heizkosten, sparen, verschwendung, zuschuss

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